01.04.2011, 17:18 Uhr | dapd
Dresden (dapd-lsc). Die Sachsen und ihr Humor: Dass das gemütliche Volk im Osten durchaus zu kreativen Späßen fähig ist, haben am 1. April wieder einige Behörden und Ministerien bewiesen. Bereits am Vortag versuchten Mitarbeiter von Pressestellen wie jedes Jahr, Journalisten mit Falschmeldungen in den April zu schicken.
Ausgerechnet das Finanzministerium brillierte mit einer Nachricht, die angesichts des massiven Sparhaushalts doch verblüffen musste: "Brühlsche Terrasse wird überdacht", stand darin. Ab 1. April solle demnach eine flache Kuppelschale mit einem Rautentragwerk errichtet werden, um den Dresdner Gästen Schatten zu spenden. Die Kuppel werde von transparenten Folienkissen bespannt, die unter Druck stünden. Da ein Finanzministerium natürlich auch die Kosten im Blick haben muss, hieß es weiter: "Hierfür werden Folienkissen verwendet, die bei der Überdachung des Kleinen Schlosshofes keine Verwendung fanden." Die Bauarbeiten sollten den Charakter Dresdens als Stadt der überdachten Höfe fördern. Außerdem erhoffe sich das Ministerium eine Stärkung des Tourismusstandorts.
Dass es sich bei den Meldungen um Aprilscherze handelte, wurde oft nur durch die angezeigten Sperrfristen für Freitag, den 1. April, nach Mitternacht, deutlich. In einer Pressemitteilung des Umweltministeriums deutete ein Zitat des Ministers Frank Kupfer (CDU) auf die Finte: "Was wäre für den Start ein besserer Zeitpunkt als der 1. April?" Gemeint war der Vorschlag, aus Naturschutzgründen die Autobahnen bis in den Sommer hinein mit Salzlauge zu besprühen.
Hintergrund sei eine sensationelle Entdeckung auf der A17 zwischen Pirna und der tschechischen Grenze. Auf dem Abschnitt hätten Wissenschaftler mehr als 440 verschiedene Pflanzenarten entdeckt, darunter so seltene wie das Mauerglaskraut (Parietaria judaica) und den Krähenfuß-Wegerich (Plantago coronopus). Das Wegerichgewächs sei eine sonst eher an Nord- und Ostsee verbreitete Salzpflanze. Kupfer erklärte den Fund auf der Autobahn deshalb mit dem Streusalz der vergangenen Wintermonate. Er kündigte mit der gezielten Salzbesprühung ein "Naturschutzgroßprojekt" Autobahn an, mit Fördermitteln des Freistaats und dem Europäischen Fonds für bedrohte Pflanzenarten an Autobahnen (EFbPA). Mit Blick auf die zahlreichen Tunnel um Dresden käme das Projekt auch dem Europäischen Maulwurf zugute: Da die Scheinwerfer der Fahrzeuge im Tunnel zahlreiche Insekten anlockten, sei die Nahrungsgrundlage für den Insektenfresser gesichert.
Nach dem Willen der Aprilscherze-Schreiber muss auch die Kultur stärker finanziell gefördert werden. So sollen Mitarbeiter des Landratsamtes Bautzen das Deutsch-Sorbische Volkstheater unterstützen. Wegen der noch ausstehenden Finanzierungszusage der Stiftung für das Sorbische Volk beteiligten sie sich an der Theaterfinanzierung. Jeder Mitarbeiter muss einmal pro Jahr eine stationäre Geschwindigkeitsmessanlage des Landkreises mit überhöhter Geschwindigkeit durchfahren. Den Bußgeldbescheid muss der Mitarbeiter bis Jahresende seinem Chef vorlegen. Die Gelder werden dem Theater gutgeschrieben. Als Ausgleich soll der Fahrer bis drei Monate nach dem Vergehen ermäßigten Eintritt zu einer Vorstellung im Theater erhalten.
Angesichts der Bluffmeldungen waren manche Redakteure auch über seltsam klingende echte Nachrichten verunsichert. So meldete das Verkehrsministerium, dass ab 1. April Taxen mit beleuchteter Dachwerbung durch Dresden fahren. Die Vorschriften, die dies bislang aus Sicherheitsgründen verbieten, halte Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) für nicht gerechtfertigt. Das Ausnahmeprojekt solle bis Sommer 2013 laufen und wissenschaftlich begleitet werden. Ein Aprilscherz? "Nein, ganz sicher nicht", bekräftigte ein Ministeriumssprecher.
dapd
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