14.03.2011, 11:13 Uhr | dapd
Hoyerswerda (dapd-lsc). Trotz steigender Nachfrage nach Entbindungen in einem sogenannten Geburtshaus oder Hausgeburten können die Hebammen in Mitteldeutschland keine ausreichenden Angebote machen. Hebammen, die in solchen Fällen Geburtshilfe leisten wollten, müssten eine Haftpflichtversicherung in Höhe von 3.700 Euro abschließen, sagte Grit Kretschmar-Zimmer, Vorsitzende des Sächsischen Hebammenverbandes, der Nachrichtenagentur dapd. "Da müsste eine Hebamme nur für die Versicherungssumme zwölf bis 15 Geburten betreuen", erklärte sie. Das bedeute für die Hebammen ein existenzielles Problem.
Wolle eine Hebamme Geburtshilfe leisten, müsse sie zudem in den letzten fünf Schwangerschaftswochen eine ständige Rufbereitschaft gewährleisten. "Die Kosten in Höhe von 200 bis 300 Euro werden aber in der Regel von den Krankenkassen nicht übernommen", erläuterte Kretschmar-Zimmer. Gerade in wirtschaftlich schwächeren Gebieten könnten das manche Familien nicht allein aufbringen. "Wohnortnahe Hebammenhilfe ist finanziell nicht mehr leistbar", unterstrich die Verbandsvorsitzende.
In Thüringen können sich schwangere Frauen nur in Erfurt, Jena, Gera und Gotha für eine Hausgeburt zu entscheiden. In den Regionen nördlich und südlich der Städteachse würden werdende Mütter keine Hebamme mehr finden, die ihnen diesen Dienst anbietet. Die Zahl der Hausgeburten hat sich laut einer Statistik des Thüringer Hebammenlandesverbandes innerhalb von knapp zehn Jahren halbiert. Im Jahr 2000 wurden 85 Hausgeburten in Thüringen gezählt, 2009 waren es noch 42. Meistens würde heute eine Entbindung in der Klinik bevorzugt. "Die Frauen wissen oft nicht, dass es Alternativen gibt", sagte Verbandsvorsitzende Elke Pirrhs.
In Sachsen-Anhalt ist die flächendeckende Betreuung Schwangerer bei Hausgeburten ebenfalls nicht mehr gesichert. Gerade in ländlichen Regionen gibt es zunehmend weniger Hebammen, die dafür zur Verfügung stehen. Ursache sind die im vergangenen Jahr immens gestiegenen Kosten für deren Berufshaftpflicht, sagte die Erste Vorsitzende des Landeshebammenverbandes Sachsen-Anhalt, Petra Chluppka. Eine Geburtshilfe verlange nach Qualität und Zeit für Mutter und Kind. Da sei ökonomischer Druck fehl am Platze.
dapd
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