19.11.2010, 15:15 Uhr | DAPD
Berlin (dapd-bln). In Berlin entstandene Porträts der US-Fotografin Nan Goldin sind ab Samstag (20. November) in der Berlinischen Galerie zu sehen. Gezeigt werden rund 80 Fotos aus den Jahren 1984 bis 2009 sowie erstmals präsentierte Bilder aus dem Archiv Goldins. Etwa zwei Drittel der Arbeiten seien noch nie in einem Museum ausgestellt worden, sagte der Direktor der Berlinischen Galerie, Thomas Köhler, am Freitag. Die Fotos porträtierten Freunde aus Berlin ebenso wie Freunde aus den USA, die sie nach Berlin geholt habe, sagte Goldin. Daneben sind auch einige Stillleben und Interieurs zu sehen.
Mit 14 Jahren verließ die heute 57-Jährige ihr Elternhaus, ging zunächst nach Boston und dann nach New York, lebte mit Drag Queens, Transvestiten und Homosexuellen zusammen. Ihre Freunde bezeichnete sie als ihre "Familie". 1991 kam sie durch ein Stipendium nach Berlin und blieb bis 1994. Aber auch davor und danach weilte sie immer wieder in der Stadt und tauchte in die Künstlerszene ein. "Die besten Jahre meines Lebens waren in Berlin", sagte Goldin, die derzeit in Paris lebt, am Freitag.
Das stark autobiografische Werk der Fotografin zeichnet sich durch direkte und intime Bilder mit Schnappschussästhetik aus. Sie thematisierte Sex, Drogen, Gewalt und Tod. Bekannt wurde sie mit der Diashow "The Ballad of Sexual Dependency". In frühen Selbstporträts präsentierte sich Goldin bei sexuellen Aktivitäten, setzte sich als Pin-up-Girl in Szene oder zeigte sich malträtiert, nachdem sie von ihrem Freund zusammengeschlagen wurde. Ein wiederkehrendes Motiv sind Betten und Hotelzimmer - leere und zerwühlte Kissen und Decken, billige Absteigen, aber auch schicke Suiten.
Ihre Arbeit sei immer auch politisch gewesen, sagte Goldin. Viele Menschen hätten aufgrund ihrer Arbeit ihr Coming-out gehabt oder ihr Geschlecht geändert. So persönlich die Fotos Goldins sind, so persönlich gab sie sich auch in Berlin. Die meisten ihrer Freunde seien mit Aids infiziert, sagte sie. Viele seien bereits gestorben, so dass sie enorme Verlustgefühle in sich trage. Auch vermisse sie es, selbst keine Kinder zu haben. Zu ihrer Zeit sei es nicht machbar gewesen, Karriere und Kinder zu vereinbaren.
Mit Blick auf ihr aktuelles Werk sagte die Fotografin, es sei durch ihr Leben in Paris beeinflusst und surrealer geworden. Sie stelle nicht mehr gezielt Menschen in den Vordergrund. Goldin brachte in der Vergangenheit auch mehrere Bücher heraus, kann dies nach eigenen Worten wegen eines Rechtsstreits mit ihrem Verlag derzeit aber nicht tun. Sollte es ihr gelingen, aus dem Vertrag heraus zu kommen, habe sie jedoch bereis fünf Bücher fertig zur Veröffentlichung, kündigte sie an.
Die Berlinische Galerie ist seit 1996 im Besitz von Goldins "Self-portrait in my blue bathroom" aus dem Jahr 1992. Dies brachte Direktor Köhler auf die Idee, eine komplette Ausstellung mit dem Berlin-Werk der Undergroundkultur-Künstlerin zu machen. "Nan Goldin - Berlin Work. Fotografien 1984 bis 2009" ist bis 28. März 2011 zu sehen.
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