10.08.2010, 13:16 Uhr | DDP
Erfurt (ddp-lth). Im Ringen um die künftige Waldnutzung haben Naturschutzverbände Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) Parteinahme zugunsten der Holzindustrie vorgeworfen. Das Umweltministerium wolle offensichtlich dem Druck der "Sägelobby" nachgeben, sagte der thüringische BUND-Landesgeschäftsführer Burkhard Vogel am Dienstag in Erfurt. Hintergrund der Debatte ist ein Positionspapier, in dem sich Vertreter aus Politik, Forstwirtschaft, Naturschutz und Tourismus zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung bekennen sollen.
Die Verbände BUND, NABU und die Grüne Liga fordern in der Zielvereinbarung eine Passage, wonach 25 000 Hektar des Waldes von der Forstwirtschaft ausgeschlossen werden. Das sei fünf Prozent der staatlichen Waldfläche. Nach Angaben Vogels hatten sich SPD und CDU bereits im Koalitionsvertrag auf dieses Vorhaben verständigt. Diese Vereinbarung wolle Reinholz aber nun unterlaufen, sagte Vogel. Neben den Umweltschützern verweigern auch zwei Sägewerke eine Unterschrift unter das Positionspapier.
"In Thüringen fehlen zusammenhängende Großflächen, in denen sich der Wald selbst entwickeln kann", sagte der NABU-Landesvorsitzende Mike Jessat. Eine Vielzahl gefährdeter Organismen und Tiere wie der Todholzkäfer oder die Bechsteinfledermaus benötigen den Angaben zufolge große Waldgebiete mit einem Alter von 300 Jahren als Lebensraum.
Momentan sind insgesamt 10 000 Hektar der Waldfläche wie der Nationalpark Hainich vor Eingriffen geschützt. Für die zusätzlich geforderten 15 000 Hektar kämen etwa das Biosphärenreservat Vessertal oder ein Teil des vorderen Thüringer Waldes, der die Wartburg umgibt, in Betracht, sagte Vogel.
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