11.08.2011, 16:47 Uhr | dapd
Berlin (dapd-bln). Der Berliner Tierpark hat mit der Anschaffung eines neuen Eisbären eine erneute Diskussion um eine artgerechte Haltung der Tiere ausgelöst. "Die Zoo- und Tierparkleitung sollte erst neue Eisbären anschaffen, wenn Voraussetzungen für die artgerechte Haltung gegeben sind, und das sind sie nicht", sagte die Berliner Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling am Donnerstag auf dapd-Anfrage. Für den Fall des Einzugs der Grünen in den Senat nach der Abgeordnetenhauswahl kündigte sie strengere Kontrollen von Zoo und Tierpark an.
Der Tierpark will die zwei Jahre alte Eisbärin frühestens in zwei Wochen der Öffentlichkeit präsentieren. "Das im Moskauer Zoo geborene Tier muss sich erst einleben", sagte Zoosprecherin Claudia Bienek. Derzeit werde das 100 Kilogramm schwere Tier vor allem mit Fleisch und Fisch gefüttert.
Die junge Eisbärin, die bisher noch keinen Namen habe, sei vom russischen Zoo in Rostow am Don im Austausch für drei Elefanten erworben worden. "Das ist ein völlig normaler Vorgang", sagte Bienek und fügte hinzu: "Wir freuen uns sehr über den Zuwachs in unserer Eisbärenfamilie". Mit dem Neuling leben im Zoo und Tierpark der deutschen Hauptstadt derzeit sechs Eisbären.
Im März war der weltweit beliebte Berliner Eisbär Knut an einer Gehirnentzündung gestorben und vor den Augen der Zoobesucher von einem Felsen ins Wasserbecken gefallen.
Tierschützer kritisierten die Berliner Zoo- und Tierparkleitung wegen der Anschaffung des neuen Eisbären. Die Haltung in Gefangenschaft und auf engem Raum verursache bei den Tieren Verhaltensstörungen wie ständiges Hin- und Hergehen oder Auf- und Abwippen des Kopfes, sagte Andrea Müller, Sprecherin der Tierrechtsorganisation PETA.
Laut PETA stehen allen 34 Eisbären in deutschen Zoos nur gut 9.500 Quadratmeter zur Verfügung. Dies entspreche der Rasenfläche rund um die Berliner Siegessäule. In Freiheit lebende Eisbären wandern Experten zufolge bis zu 100 Kilometer am Tag.
Dem hielt Sigrid Baumgardt, Berliner Lehrerin und Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), entgegen, dass "der Tierschutz hinter die Interessen der Kinder zu treten habe". Vor allem für Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die viel zu viel fernsehen, sei es etwas ganz Besonderes, wilde Tiere im Zoo zu erleben.
"Es kann doch kein pädagogisches Konzept sein, Tiere nicht artgerecht zu halten und dann den Kindern als Lebewesen der Wildnis zu präsentieren", sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbunds, Thomas Schröder. Es sei "absurd", dass die Zoos die Fahne des Tier- und Artenschutzes hochhielten und gleichzeitig wild lebende Eisbären einfingen, um sie in Gefangenschaft zu halten und für die Zucht zu verwenden.
Derweil hat das Berliner Naturkundemuseum weiter keinen Zeitplan, wann der verstorbene Knut ausgestellt werden soll. Derzeit lägen Skelett und Fell des einstigen Zoo-Stars noch auf Eis. Die Präparation habe noch nicht begonnen, sagte Sprecherin Gesine Steiner.
dapd
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