25.01.2011, 09:04 Uhr | DAPD
Berlin (dapd). Der Streit um die weltberühmte Büste der Nofretete geht in eine neue Runde. Ein Schreiben aus Ägypten mit einer erneuten Rückgabeforderung sorgte am Montag in Berlin für Wirbel. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes stellte jedoch umgehend klar: "Es ist keine offizielle Rückgabebitte des ägyptischen Staates an die Bundesrepublik Deutschland." Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) lehnte eine Rückgabe der Nofretete nach wie vor ab.
Der Außenamts-Sprecher sagte, eine offizielle Rückgabebitte müsste von Regierung an Regierung gerichtet werden. "Das ist nicht der Fall." Es habe aber ein Schreiben an den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) gegeben, "in dem Bezug genommen wird auf die Nofretete".
SPK-Präsident Hermann Parzinger sagte, kürzlich habe sich der Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer der Republik Ägypten, Zahi Hawass, mit einem Brief an ihn gewandt, in dem er um die Rückgabe der Nofretete bitte. Das Schreiben sei jedoch nicht vom Ministerpräsidenten unterzeichnet und damit kein offizielles Rückgabeersuchen.
Die Haltung der Stiftung sei unverändert, betonte Parzinger. Die Büste "ist und bleibt die beste Botschafterin Ägyptens in Berlin". Die SPK habe zudem großes Interesse an einer guten Kooperation ihrer Museen mit den ägyptischen Fachleuten und "formuliert derzeit erste Ideen für eine Zusammenarbeit". Diese Kooperationsvorschläge werde er in einem Antwortschreiben an Hawass erläutern.
Ein Sprecher Neumanns sagte, Parzinger werde den Brief von Hawass in Abstimmung mit der Bundesregierung beantworten. Er betonte ferner: "Die Dokumente belegen eindeutig, dass der preußische Staat die Büste der Nofretete rechtmäßig erwarb und keine Rechtsansprüche seitens Ägyptens bestehen." An dieser Rechtsauffassung habe sich nichts geändert.
Die Büste, die derzeit im Neuen Museum in Berlin ausgestellt ist, wurde im 14. Jahrhundert vor Christus gefertigt. Sie wurde 1912 bei Ausgrabungen der Werkstatt des königlichen Bildhauermeisters Thutmosis gefunden. Mitsamt der Krone ist sie etwa einen halben Meter groß. Die Nofretete steht ganz oben auf einer Liste von Artefakten, die Ägypten ins Land zurückholen will.
Deutschland lehnte entsprechende Bitten in der Vergangenheit immer ab und erklärte, die Büste der Gemahlin des Pharaos Echnaton sei legal nach Deutschland gebracht worden. Außerdem sei sie zu brüchig für einen Transport. Ägypten führt dagegen an, der Kunstschatz sei Anfang des 20. Jahrhunderts mit gefälschten Dokumenten ausgeführt worden.
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