05.02.2012, 17:53 Uhr | dapd
Das Internet-Netzwerk ist überlastet. Die 200 Piraten auf dem Landesparteitag in der Gesamtschule Osnabrück kann die Leitung nicht versorgen. Ausgerechnet die Internetpartei ist offline. Als Piraten sich bei Schatzmeister Meinhart Ramaswamy beschweren, dass sie die Zahlen seines Berichts auf der Powerpoint-Präsentation nicht erkennen, weist er sie darauf hin, dass alles online ist. "Wir haben kein Internet!", rufen die Mitglieder im Chor. "Was? Ihr habt kein Internet? Ja, was ist das denn für eine Partei?", antwortet Ramaswamy. Applaus. Schallendes Gelächter.
Die rund 200 niedersächsischen Piraten, die mit ihren rund 200 Laptops am Samstag in der Mensa sitzen und dabei aussehen wie Computerspieler auf einer LAN-Party, können über sich selbst lachen. Sie wissen, dass bis zur Landtagswahl am 20. Januar 2013 noch einiges zu tun ist, wenn sie den Sprung in den Landtag schaffen wollen - auch wenn aktuelle Meinungsumfragen die Piraten mit vier Prozent nur noch knapp unter dem ausgegebenen Ziel von sechs Prozent sehen. Der Slogan, der auf einem etwa 20 Meter breiten Banner unter der Decke steht, gilt auch parteiintern: "Klarmachen zum Ändern!"
Seit der Berlin-Wahl im September, als die Piraten mit fast neun Prozent überraschten, hat sich die Zahl der Mitglieder in Niedersachsen auf 1.700 nahezu verdoppelt. Etwa jeder zweite Pirat ist in Osnabrück das erste Mal auf einem Landesparteitag der Partei. Der zweite Vorsitzende, Arne Ludwig, scheint mit der Bewältigung des Ansturms überfordert. Zur Wiederwahl tritt er nur unter der Prämisse an, dass die Mitgliederverwaltung künftig ein anderer übernimmt. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, weshalb sein Gegenkandidat Thomas Gaul später zweiter Vorsitzender wird.
Noch bevor Andreas Neugebauer sich am Samstagnachmittag der Wahl zum neuen Vorsitzenden stellt, will er den aufgeblähten Parteivorstand ausdünnen. "Elf Mitglieder sind zu viel. Ich möchte einen Vorstand, der jederzeit handlungsfähig ist", wirbt er für die Satzungsänderung. In seiner Rede schwört er den Landesverband auf die bevorstehenden Landtags-, Bundestags- und Europawahlen ein: "Wir müssen professioneller werden." Auf Dauer könne man nicht erfolgreich sein, wenn man "so halbchaotisch" vor sich hinarbeite. Deshalb bedürfe es professioneller Strukturen mit einer kleinen Truppe im Hintergrund.
Neugebauers Antrag auf Änderung der Satzung von elf auf fünf Vorstandsmitglieder scheitert am Votum der Parteimitglieder. Delegierte gibt es bei den Piraten nicht. Nachdem der 46 Jahre alte Informatiker mit rund 15 Jahren Parteierfahrung bei der SPD dennoch mit 63,3 Prozent der Stimmen gegen den erst kurz zuvor angetretenen Kandidaten Mario Espenschied gewinnt, sagt Neugebauer zur Niederlage bei der Satzungsänderung: "Als guter Demokrat kann ich damit umgehen."
Typisch für die bislang "so halbchaotisch vor sich hinarbeitenden" Piraten ist, dass der Delmenhorster Stadtverbandschef Neugebauer am Abend über Umwege doch noch seinen Willen bekommt. Der Parteivorstand reduziert sich von elf auf sechs Mitglieder, weil fünf der acht Beisitzer nicht die erforderliche Mehrheit bekommen. Als Schatzmeister Meinhart Ramaswamy wiedergewählt wird, funktioniert dann auch das Internet wieder.
dapd
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