30.08.2011, 18:51 Uhr | dapd
Hannover (dapd). Das Umweltministerium in Hannover will den im November geplanten Castor-Transport in das Zwischenlager Gorleben doch noch ermöglichen. Die Atomaufsicht des Ministeriums, Vertreter des Zwischenlagerbetreibers Gesellschaft für Nuklear-Service und weitere Experten berieten am Dienstag über Maßnahmen zur Senkung der Strahlenbelastung am Castor-Lager. Nach Ansicht der Grünen sind wegen der Strahlenbelastung derzeit keine Lieferungen von hoch radioaktivem Müll nach Gorleben möglich.
Der sogenannte Eingriffswert, ab dem die Strahlung aus dem Zwischenlager gesenkt werden müsse, sei auch aus Sicht der Aufsichtsbehörde überschritten, sagte Ministeriumssprecherin Jutta Kremer-Heye. Wegen der Verpflichtung, Abfälle aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich zurückzunehmen, könne man die Hände aber nicht in den Schoß legen. Man müsse alles tun, um die Strahlenbelastung zu senken und den im November geplanten Transport von elf Castor-Behältern aus Frankreich nach Gorleben rollen zu lassen.
Demgegenüber betonte der Vorsitzende der niedersächsischen Grünen-Fraktion, Stefan Wenzel, dass die Genehmigung des Zwischenlagers zur Zeit eine weitere Annahme von Castor-Behältern verbiete. Die Genehmigung sehe vor jedem Transport eine Abschätzung der künftigen Strahlenbelastung vor. Die aktuelle Abschätzung habe aber eine Überschreitung des zulässigen Grenzwertes prognostiziert.
Der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft habe am Zaun des Zwischenlagers eine Neutronenstrahlung von 0,141 Millisievert pro Halbjahr gemessen, berichtete Wenzel, der auch Vorsitzender des Umweltausschusses des Landtags ist. Der Betrieb habe natürliche Hintergrundstrahlung abge- und Gammastrahlung einbezogen und am Ende eine Jahresbelastung von 0,352 Millisievert prognostiziert. Diese überschreite den zulässigen Grenzwert von 0,3 Millisievert.
Wenzel forderte den niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) auf, angesichts der hohen Strahlung "neu über den im November geplanten Castor-Transport zu entscheiden". Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms sagte, die Wände des schon vor 30 Jahren gebauten Zwischenlagers Gorleben schirmten Strahlung sehr schlecht ab. Es gebe an AKWs modernere Lager, die für Castor-Behälter geeigneter seien.
An dem Fachgespräch im Umweltministerium über die erhöhten Strahlenwerte nahmen auch Vertreter der Gesellschaft für Reaktorsicherheit, des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft und des TÜV Nord teil. Aktivisten von Greenpeace demonstrierten mit der Attrappe eines Castor-Behälters vor dem Ministerium und wandten sich gegen weitere Transporte nach Gorleben.
dapd
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