23.02.2012, 14:36 Uhr | dapd
Rund 350 Menschen haben am Donnerstag in der Nürnberger "Straße der Menschenrechte" der Opfer der Zwickauer Terrorzelle gedacht. Zu der Veranstaltung hatte der DGB Mittelfranken eingeladen. In einer kurzen Ansprache vor der für 12.00 Uhr angesetzten Schweigeminute sagte dessen Vorsitzender Stephan Doll, es sei "beschämend", dass die Sicherheitsbehörden über Jahre hinweg die Verbrechen weder rechtzeitig aufklären, geschweige denn verhindern konnten.
Aus Nürnberg kamen drei der zehn Mordopfer der Neonazis. "Wir alle sind tief betroffen, dass nach den Erfahrungen der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland diese entsetzlichen Verbrechen geschehen konnten", sagte Doll. Das Mitgefühl aller gelte den Familien und Freunden, die geliebte Menschen verloren hätten.
Zu der bundesweiten Schweigeminute hatten die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Gewerkschaftsbund gemeinsam aufgerufen.
Der Vorsitzende der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Region Nürnberg, Michael Helmbrecht, bezeichnete die Schweigeminute in einem Gespräch mit der dapd als "längst überfälliges Zeichen der Trauer und der Bitte um Verzeihung". Nach all den falschen Verdächtigungen gegen Familienangehörige und Freunde der Neonazi-Opfer habe es einer großen Geste bedurft. "Das gehört sich einfach", sagte er.
Helmbrecht warnte davor, die Erinnerung an das Geschehene in der Versenkung verschwinden zu lassen. "Die Gefahr von rechts ist weiter virulent", sagte er. Sie müsse im Bewusstsein der Bevölkerung aufrechterhalten bleiben.
Gleichzeitig forderte er eine Überprüfung von Rolle und Funktion des Verfassungsschutzes. "Der Verfassungsschutz muss jetzt nachweisen, was die von ihm bezahlten Neonazis zur Aufklärung beitragen, und ob er seine Ziele überhaupt erreichen wird", sagte er.
Den Aufruf zur Schweigeminute unterstützten mehrere bayerische Städte und Einrichtungen. Der Bayerische Philologenverband teilte mit, rechtsextreme Gewalt und rechtsextremes Gedankengut sei gerade für alle, die mit Erziehung und schulischer sowie außerschulischer Bildung zu tun hätten, eine Herausforderung und Verpflichtung. "Durch das Innehalten können wir unserer Trauer und dem Mitgefühl mit den Familien und Freunden der Opfer Ausdruck verleihen und gleichzeitig ein deutliches Bekenntnis für Toleranz und Vielfalt in unserem Land ablegen", erklärte der Verbandsvorsitzende Max Schmidt.
dapd
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