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Oktoberfest als Werbetrommel - Die Wiesn gibt Münchner Brauereien weltweit Rückenwind

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Oktoberfest als Werbetrommel - Die Wiesn gibt Münchner Brauereien weltweit Rückenwind

16.09.2010, 10:32 Uhr | DDP

München (dapd). Vor 100 Jahren war Löwenbräu noch die größte Brauerei der Welt - heute sind die Münchner Sudhäuser alle nur Zwergerl im Vergleich mit den globalen Riesenkonzernen. Aber im Überlebenskampf gegen die Konkurrenz haben sie einen Zaubertrank: das Oktoberfest-Bier macht aus ihnen Global Player. Wenn der Schlachtruf "Ozapft is" ertönt, pilgern Brauer, Journalisten und Millionen Besucher in die vermeintliche Hauptstadt des Bieres. "Das Oktoberfest ist die wichtigste PR-Veranstaltung, die man sich vorstellen kann", erklärt Hofbräu-Sprecher Stefan Hempl.

Was auf der Wiesn selbst verkauft wird, ist eher die Schaumkrone auf dem Geschäft. Rund 6,6 Millionen Maß tranken die Besucher im vergangenen Jahr - das ist gerade einmal ein Prozent der Jahresproduktion der Münchner Brauereien.

Aber die kleinste unter ihnen, das Hofbräuhaus, erklärt die ganze Rechnung. Die 100 Mitarbeiter dieser Brauerei im Besitz des Freistaats Bayern produzieren 250.000 Hektoliter jährlich und machen 34 Millionen Euro Umsatz. In den zwei Festwochen werden im Hofbräu-Zelt 6.000 Hektoliter ausgeschenkt - "das ist schon 'ne Größenordnung", sagt Hempl.

Viel wichtiger ist jedoch der Absatz von Festbier außerhalb des Geländes: An Wiesntagen strömen bis zu 30.000 durstige Besucher ins Hofbräuhaus. In Wirtshäusern und im Einzelhandel wird Festbier gekauft - nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, in Dubai oder in China. "Deutlich über zehn Prozent" sämtlichen Hofbräu-Biers ist Oktoberfest-Bier, wie Hempl sagt. Und weil das Festbier stärker und teurer ist als das gewöhnliche Helle, kommt man beim Umsatz doch in beachtliche Dimensionen.

Von unschätzbarem Wert aber ist die Werbung, die das Oktoberfest für die Münchner Brauereien bedeutet. "Ein Bier trinken kann ich auch anderswo - aber das hier ist ein Lebensgefühl. Das wollen die Menschen", sagt Manfred Newrzella vom Verein Münchner Brauereien. Gutes Bier plus Blasmusik, Tradition, Tracht, Gemütlichkeit - "das Oktoberfest ist eine Super-Kundenveranstaltung", sagt Hempl. Das Festzelt sei "fast so eine Art Hausmesse". Ein Drittel der gesamten Hofbräu-Produktion wird exportiert. Es wird in Las Vegas und Schanghai, in Dubai und Miami in Hofbräuhäusern ausgeschenkt, und in England, Ungarn und im US-Staat Kentucky wird es in Lizenz gebraut. Insgesamt erwirtschaftet Hofbräu rund die Hälfte seine Umsatzes im Ausland.

Kein Wunder also, dass viele Brauereien die Bühne Oktoberfest liebend gern für sich nutzen würden. Aber dem hat die Stadt München einen Riegel vorgeschoben. Als Veranstalterin hat sie festgeschrieben, dass auf der Wiesn nur Bier ausgeschenkt werden darf, "das von den sechs leistungsfähigen und bewährten Münchner Traditionsbrauereien" eigens für das Fest in München gebraut wurde.

Die sechs Brauereien sind in der Satzung namentlich aufgezählt. Die älteste, die 1328 gründete Augustiner-Brauerei, gehört mehrheitlich einer gemeinnützigen Stiftung und produziert etwa viermal so viel wie das Hofbräuhaus. Paulaner, 1634 gegründet, ist die jüngste und größte am Ort mit einem Jahresausstoß von 2,1 Millionen Hektolitern. Ein Großteil davon wird nach Italien und in die USA exportiert. Paulaner und Hacker-Pschorr gehören der Familie Schörghuber, die aber den niederländischen Heineken-Konzern mit 25 Prozent beteiligt hat. Die beiden anderen Münchner Brauereien - Löwenbräu und Spaten - sind bayerische Schmankerl im großen Reich des amerikanisch-belgischen Weltmarktführers AB InBev.

"Da liegen Welten dazwischen", sagt Newrzella. AB InBev produzierte im vergangenen Jahr 359 Millionen Hektoliter Bier. Radeberger als größte deutsche Brauereigruppe kam nach Konzernen aus China und Mexiko auf Platz 22 mit 13 Millionen Hektolitern. Und das war immer noch mehr als doppelt so viel, wie alle Münchner Brauereien zusammen erzeugten.

Umso entschiedener verteidigt die Stadt deren Alleinstellung auf dem Oktoberfest. Das sichert nicht nur Arbeitsplätze und Gewerbesteuern bei den lokalen Brauereien - auch der Tourismus und die bayerische Wirtschaft insgesamt profitieren vom internationalen Ruf des Oktoberfestes. Würde die Satzung geändert, müsste die Belieferung der Festzelte europaweit ausgeschrieben werden, und Großkonzerne könnten die Festzelte übernehmen.

Vergeblich klagte der Ur-Ur-Ur-Enkel von Therese und Kronprinz Ludwig, Prinz Luitpold, dass wenigstens er mit seiner Schlossbrauerei Kaltenberg Zugang zur Theresienwiese bekommen müsse. Das Landgericht München wies ihn 1990 ab und erklärte, "dass das Oktoberfest das Fest des Münchner Bieres ist". Dabei ist es geblieben. Zuletzt ließ die zur Radeberger-Gruppe gehörende Tucher-Brauerei einen Zeppelin mit Werbebotschaft über der Wiesn kreisen. Aber solche Luftnummern hat die Polizei inzwischen verboten, wegen Terrorgefahr.

Auch der Bayerische Brauerbund gibt den Münchnern Rückendeckung. "Wir sind der Auffassung, dass die traditionellen Volksfeste von den ortsansässigen Brauereien beliefert werden sollten", sagt Hauptgeschäftsführer Lothar Ebbertz.

dapd


DDP  

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