26.09.2011, 14:03 Uhr | dapd
Jo Annan ist in Bayern geboren, seit 55 Jahren lebt sie den USA. Ihre sprachlichen Wurzeln hat die 79-Jährige jedoch nicht vergessen, wie sie auf der "Oiden Wiesn" beruhigt feststellt. Dort geben Mitglieder eines Sprachvereins Oktoberfest-Besuchern aus aller Welt Nachhilfe in Bairisch.
Jo Annan schlägt sich bei einem Test jedenfalls ganz gut. Dass der "Baderwàschl" ein Friseur ist und der "Umstandskramer" ein umständlicher Mensch ist, habe sie leicht "austüfteln" können, sagt sie.
Mit rund 3.200 Mitgliedern ist der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte der größte Sprachverein in Bayern. Der Münchner Vorsitzende Gerhard Holz und seine Kollegen lassen die Wiesn-Gäste im Nostalgie-Bereich des Oktoberfests Fragebögen ausfüllen, die dann umgehend korrigiert werden. "Des kommt narrisch gut an", freut sich Holz.
Eine bunt gemischte Menge drängt sich um die mit Bairisch-Sprachtests bedeckte Theke und die in Tracht gekleideten, hilfsbereiten Mitarbeiter. Auch an den umliegenden Bierbänken trainieren die Besucher ihr Bairisch. Hier wird eifrig diskutiert, beim Nachbarn über die Schulter geschaut oder gleich der Begleiter zu Hilfe gerufen.
Ein 22-Jährige gebürtige Münchnerin, etwa glaubt, dass der "Hendlfriedhof" eine Abfalltonne beim Wienerwald ist. Falsch, wird sie sogleich belehrt: Vielmehr werde so in Bayern ein dicker Bauch bezeichnet, stellt Vereinsmitglied Hans Eichhorn klar. Kollegin Theresia Lipperer sagt: "Man glaubt gar nicht, was alles falsch gemacht wird."
Nur Wenige schaffen es, den Fragebogen fehlerlos zu lösen und sich den begehrten Aufkleber "I red Boarisch - und Du?" zu sichern. Auch Jo Annan bekommt den Preis nicht, weil sie vier Begriffe nicht zuordnen kann. Dass "aufschmatzen" nicht küssen bedeutet, sondern aufschwatzen, will ihr aber nicht ganz einleuchten.
"Man lernt immer wieder was dazu", meint Jo Annans Begleiterin aus München und spielt ihr "ausbaufähiges" Testergebnis herunter. In München sei es ja zeitweise verpönt gewesen, bairisch zu sprechen und nicht hochdeutsch. Der Vereinsvorsitzende Holz bestätigt das. Die Verachtung des Bairischen habe in den 70er Jahren eingesetzt, doch langsam ändere sich das jetzt wieder. Obwohl eine ganze Generation an Bairisch-Sprechern fehle, sei die Zeit der "Isarpreußen" vorbei, jubelt Holz.
Eine besondere Anerkennung war es für den Bairisch-Profi, dass er in der Jury für die Namenssuche der Oiden Wiesn dabei sein durfte. Dies sei ein weiteres Zeichen dafür, dass "da einiges passiert" und die Bedeutung der Dialekte wieder wahrgenommen werde, glaubt Holz. Er freut sich besonders, dass sein Verein Mundart-Wettbewerbe an den bayerischen Grundschulen veranstalten darf. Die Aktion zur Förderung der bairischen Sprache werde vom Kultusministerium unterstützt.
dapd
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