10.02.2012, 12:54 Uhr | dapd
Die Opposition und Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer haben sich im Stuttgarter Landtag einen Schlagabtausch über die richtige Schulpolitik für das Land geliefert. Bei den Beratungen des Kultushaushalts am Freitag warfen CDU und FDP der SPD-Politikerin vor, ihre Lieblingsprojekte wie die Gemeinschaftsschule zulasten anderer Schularten zu privilegieren. Die Ministerin hob die Notwendigkeit neuer pädagogischer Konzepte hervor und beschuldigte Schwarz-Gelb, Finanzlücken bei der Unterrichtsversorgung hinterlassen zu haben.
CDU-Bildungsexperte Georg Wacker kritisierte, unter Schwarz-Gelb begonnene Projekte wie die Verkleinerung der Klassen auf 28 Schüler oder das Vorschulprogramm Singen-Bewegen-Sprechen würden aufgegeben. Zudem behandele Warminski-Leitheußer nicht alle Schularten gleich. "Sie belasten bestehende weiterführende Schulen durch den Ausbau ihrer ideologisch motivierten Projekte auf leisen Sohlen, Schritt für Schritt", sagte er. Die Gemeinschaftsschulen erhielten "eine üppige Personalausstattung, über die sich jede andere weiterführende Schule freuen würde."
FDP-Bildungsexperte Timm Kern hielt der Ministerin vor, ihre "Lieblingskinder" systematisch zu bevorzugen und ihre "Stiefkinder" ins Hintertreffen geraten zu lassen: "Gelder gibt es nur dann, wenn die Pädagogen vor Ort Ihren engen pädagogischen Vorgaben folgen." Zudem habe sie den Rückgang der Schülerzahlen nicht dafür genutzt, um die Unterrichtsversorgung an den Realschulen und beruflichen Gymnasien zu verbessern, wo es besonders nötig wäre.
Kultusministerin Warminski-Leitheußer beschwor eine neue politische Kultur in der Schulpolitik. Es gehe darum, eine Kultur zu entwickeln, die tatsächlich Ideen und Schulentwicklung zulasse und es Lehrern ermögliche, quer zu denken. "Das ist etwas, was bislang nicht möglich war", sagte sie. Andersdenkende Schulleiter und Lehrer seien unter Schwarz-Gelb einbestellt worden, nur weil sie eine andere Meinung vertreten hätten.
Beim Regierungswechsel habe sie im Kultusbereich "Finanzlöcher und jede Menge unerfüllte Versprechen" vorgefunden. Für die Bildungsoffensive und die Verkleinerung der Klassen fehlten 266 Millionen Euro in der mittelfristigen Finanzplanung. Unter Schwarz-Gelb hätten bis 2018 über 8.000 Lehrerstellen wegfallen sollen. "Den Klassenteiler haben sie nicht ausfinanziert", warf sie CDU und FDP vor. Auch das Programm "Singen-Bewegen-Sprechen" sei in der mittelfristigen Finanzplanung damals nicht abgesichert worden.
Grün-Rot müsse wegen fehlender Mittel nun Prioritäten setzen. Vor allem in die frühkindliche Bildung werde jetzt so viel investiert wie noch nie. "Sie haben 129 Millionen Euro in frühkindliche Bildung investiert, wir investieren 450 Millionen Euro", sagte die SPD-Politikerin.
Zudem würden 3.300 frei werdende Lehrerstellen für die Unterrichtsversorgung zur Verfügung gestellt. Für die Krankheitsreserve seien in diesem Haushalt 200 zusätzliche Stellen vorgesehen. Realschulen bekämen 200 zusätzliche Deputate, berufliche Schulen 100 Deputate zum Abbau des strukturellen Defizits, welches Schwarz-Gelb hinterlassen habe.
Grünen-Bildungsexperte Jörg Fritz bezeichnete die Einwände von CDU und FDP als "Trauerspiel. "Sie haben nicht einen substanziellen Vorschlag zur Verbesserung unseres Bildungssystems gemacht", sagte er.
dapd
Don Camillo schrieb:
am 10. Februar 2012 um 17:40:00
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Schwarz-Gelbe Krokodilstränen
Nanu? Jahrzehntelang haben die Schwarzen "ideologisch" gegen Gemeinschafts schulen gestritten und kein
gutes Haar dran gelassen. Jetzt werfen sie der neuen Regierung vor daß sie was ändern will? Tsss... Dafür gibts eben neue Regierungen, daß sie den jahrzehntealten Filzstall mal ausmisten. Meinen Segen haben sie! (Vielleicht sind die gegenwärtigen CDU-Zwerge (Hauk & Co.) bloß neidisch, daß die Grünen einen gestandenen Wertkonservativen als Ministerpräsident haben, der ihnen das Wasser ab
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Gabi schrieb:
am 10. Februar 2012 um 17:28:04
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@Wutbürger
Wenn es an Skandinavien angelehnt wäre,wären viele Eltern froh,nur wurde uns schon heute viel versprochen u nichts
passierte,ganz im Gegenteil positive Aspekte wurden zurückgenommen.Mein Sohn geht auf 8 Kl Gym,der einzige Physiklehrer wurde am 2.Schultag abgezogen,der Kleine geht auf RS,29 Schüler,bei der bisherigen Regelung wären sie nächstes Jahr geteilt,zurückgenommen.Nachbar 9 KL WRS,Kooperation Berufsschule zurückgenommen,AG´s gestrichen keine Lehrer,das ist der Alltag.
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Wutbürger schrieb:
am 10. Februar 2012 um 14:50:19
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Schulkonzept
Beim neuen Konzept spricht genauso viel dafür, wie dagegen. Ein Schulkonzept in Anlehnung an das skandinavische Vorbild, ist
allein schon wegen dessen nachgewiesenen Erfolg durchaus einen Versuch wert. Teilweise berechtigen die vorgebrachten Vorwürfe ja schon, das bisherige Bildúngskonzept in Frage zu stellen. Die Zwangs-Schulempfehlung als Kennzeichen des alten Konzeptes sagt ebenso einiges über die bisherige Qualität.
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