30.10.2010, 14:48 Uhr | DDP
Hamburg (dapd-lmv). Der Verbraucher kann sich nach Einschätzung der Umweltstiftung WWF an der Fischtheke guten Gewissens für Hering und Seelachs aus dem Nordatlantik entscheiden. Als weitere gute Wahl gelten Dorsch aus der östlichen Ostsee, Hering, Seelachs und Schellfisch aus dem Nordostatlantik sowie Lachs und Forelle aus Biozucht, wie Fischexpertin Catherine Zucco am Freitag in Hamburg bei der Vorstellung des fünften WWF-Einkaufsratgebers für Fisch und Meeresfrüchte sagte. Auf Aal, Schillerlocke, Schwertfisch, Rotbarsch aus dem Nordatlantik, Dorade aus dem Mittelmeer, Pangasius aus vietnamesischer Zucht oder tropische Garnelen sollte jedoch verzichtet werden.
In dem Einkaufsratgeber für die Brieftasche bewertet die Umweltstiftung handelsübliche Fischarten nach ökologischen Kriterien wie Bestandsentwicklung und Fangmethoden. 20 Arten gelten demnach als gute Wahl, 13 als zweite Wahl, 29 fallen in die Kategorie "lieber nicht". Damit will der WWF dem Verbraucher eine schnelle Orientierung für den Kauf oder Verzehr von Fisch ermöglichen.
"Fisch ist ein gesundes und beliebtes Lebensmittel", sagte Zucco. Im Durchschnitt konsumierte der Deutsche im vergangenen Jahr 15,7 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte. Der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 17,4 Kilogramm.
"Doch leider richten einige Fangmethoden im Meer massive Schäden an", sagte Zucco. Aufgrund der weltweiten Plünderung der Ozeane sei es für viele Fischbestände längst "fünf vor zwölf". Der Verbraucher könne dem entgegenwirken, in dem er nur noch auf Fisch aus umweltschonendem Fang zurückgreife.
Insbesondere Pangasius, vor fünf Jahren noch unbekannt, rangiert Zucco zufolge mittlerweile mit einem Marktanteil von 6,5 Prozent auf dem fünften Platz der beliebtesten Fische. Die Entwicklung der Aquakultur von Pangasius in Vietnam, Thailand und Indonesien ist laut WWF beispiellos. Die weltweite Produktion stieg nach offiziellen Angaben von 48.000 Tonnen (1997) auf 930.000 Tonnen (2007). Doch allein für Vietnam würden für 2008 bereits 1,2 Millionen Tonnen angenommen, sagte Zucco. Für die Errichtung neuer Farmen werden häufig wertvolle Ökosysteme wie Feuchtgebiete zerstört und die Wassernutzung in der Umgebung negativ beeinflusst.
Nach Angaben des WWF gelten 80 Prozent aller wirtschaftlich genutzten Bestände weltweit bereits als zu stark oder bis an ihre Grenzen befischt. In den nordostatlantischen Gewässern der Europäischen Union sind 72 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände überfischt.
Letztere Prozentzahl treffe allerdings nur zu, wenn das Konzept des maximalen Dauerertrags gelten würde, was jedoch erst für 2015 vorgesehen sei, sagte Matthias Keller vom Bundesverband der Deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels auf dapd-Anfrage. Mit der Zahl schüre der WWF unnötige Ängste beim Verbraucher. Denn aktuell gelte nach Aussage von EU-Wissenschaftlern, dass 76 Prozent der EU-Fangmenge (2009) als nachhaltig befischt eingestuft werde. Als Grundlage dient laut Keller das Konzept des Vorsorgeansatzes, das bis 2014 gilt.
Der Bundesverband hegt keine Zweifel an der Methode zur Erstellung des Einkaufsratgebers, kritisiert allerdings die Interpretation der Ergebnisse. So enthalte die Liste "Unstimmigkeiten" etwa beim Kabeljau, mit denen der Verbraucher "in die Irre geführt" werde, sagte Keller.
dapd
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