03.02.2012, 16:08 Uhr | dapd
Wenn der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) einen Termin in der Altstadt hat, nimmt er sich gelegentlich Zeit für einen kleinen Abstecher. "Wenn es geht, lenke ich meine Wege über den Domplatz." Der Anblick der prächtigen Westfassade des Stephansdoms sei für ihn immer wieder ein Erlebnis. Wie der Oberbürgermeister verharren täglich Hunderte Touristen staunend vor dem barocken Wahrzeichen der Dreiflüssestadt.
In diesem Jahr dürften es noch einige Besucher mehr werden: Mit einem großen Jubiläumsprogramm soll das ganze Jahr über der Einzug des barocken Baustils in Passau vor 350 Jahren gefeiert werden. Ein erster Höhepunkt ist die Premiere von Monteverdis Barockoper "Heimkehr des Odysseus" im Fürstbischöflichen Opernhaus in der nächsten Woche.
Der eigentliche Anlass für das Jubiläumsjahr ist eine Katastrophe. Bei einem verheerenden Brand am 27. April 1662 wurde die mittelalterliche Stadt in großen Teilen zerstört. Der Wiederaufbau in den Folgejahren erfolgte in einheitlich barockem Stil. Auch der gotische Stephansdom wurde in den Flammen zerstört und musste in diesen Jahren wiederaufgebaut werden.
Für diese Aufgabe wurden der Baumeister Carlo Lurago und weitere Künstler aus Italien engagiert. Sie brachten den italienischen Spätbarock nach Passau. Seither prunken auch viele Bürgerhäuser mit Barock- und Rokokofassaden und verleihen der Altstadt ihr einzigartiges Flair. Heute verzeichnet die Denkmalliste insgesamt 700 geschützte Bauwerke im Passauer Stadtgebiet, viele davon stammen aus dem 17. Jahrhundert.
Nicht nur Touristen geraten beim Anblick der malerischen Stadtsilhouette am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz ins Schwärmen. Auch Bayerns oberster Denkmalschützer, Generalkonservator Egon Johannes Greipl spart nicht mit großen Worten: "Dieses Stadtbild gehört zum Schönsten, was wir in Europa haben." Der Chef des Landesamtes für Denkmalpflege ist 1948 in der Dreiflüssestadt geboren und hat dort heute wieder einen Wohnsitz. Er erinnert an die Bedeutung seiner Geburtsstadt als ehemalige fürstbischöfliche Residenzstadt. "Passau war im 17. Jahrhundert eine mondäne Weltstadt." Hier seien "künstlerische Leistungen von europäischem Rang" vollbracht worden.
So groß der Stolz der Passauer auf ihre romantische Altstadt auch ist: Ende vergangenen Jahres mussten sie eine empfindliche Niederlage einstecken. Die mit großen Hoffnungen gestartete Kampagne zur Erlangung des UNESCO-Welterbetitels für das Altstadt-Ensemble scheiterte im Dezember am Votum der Experten im Münchner Wissenschafts- und Kunstministerium. Dort wurden die bayerischen Kandidaten für die deutsche UNESCO-Vorschlagsliste ausgesucht.
Statt der Passauer Altstadt haben jetzt unter anderem die Märchenschlösser von Ludwig II. und der Schwurgerichtssaal 600 in Nürnberg, Schauplatz der Nürnberger Prozesse, Chancen auf den Status als Weltkulturerbe. Generalkonservator Greipl rät den Passauern, nicht enttäuscht zu sein: "Der fehlende Titel schmälert die Bedeutung Passaus in keiner Weise."
Und auch für Oberbürgermeister Dupper ist das Kapitel UNESCO abgeschlossen: "Wir bleiben eine schöne Stadt, auch wenn wir dieses Etikett nicht tragen." Eine neuerliche Initiative zur Erlangung des Welterbetitels soll es nach seinem Willen deshalb nicht mehr geben.
Mit mehr als 150 Veranstaltungen soll das Barock-Jubiläum während des ganzen Jahres gefeiert werden. Auf dem Programm stehen Konzerte, Ausstellungen, Theater- und Opernaufführungen. Und damit sich die Passauer ganz auf das barocke Leben einlassen können, werden auch Kochkurse, sowie Tanz- und Fechtlehrgänge angeboten. Höhepunkt des Jubiläums soll ein großes Bürgerfest Ende August werden. Dann soll sich die Passauer Altstadt noch einmal für drei Tage in ein barocke Metropole verwandeln.
(Programm 350 Jahre Barockstadt Passau: http://url.dapd.de/hMQD2b)
dapd
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