04.02.2012, 16:32 Uhr | dapd
Der vor fünf Jahren in Berlin eingeführte Kriminalitätsatlas bringt aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) keinen Gewinn für das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger. Die kiezbezogene Erfassung von Straftaten sei für die Bevölkerung "nicht aussagekräftig", sagte DPolG-Landeschef Bodo Pfalzgraf der Nachrichtenagentur dapd. Sie sei lediglich ein Instrument für Fachleute.
Sinnvoller wäre es, die Polizeiliche Kriminalstatistik mit Zahlen zu Delikten und Tatverdächtigen öfter als nur einmal jährlich zu veröffentlichen. Zugleich schlug Pfalzgraf vor, die Bewohner in den Kiezen regelmäßig repräsentativ zu befragen, wie sicher sie sich in ihrem Wohnumfeld fühlen. Dann könne entsprechend Polizei eingesetzt werden.
Die subjektiv empfundenen Ängste vor Verbrechen müssten ernst genommen werden, auch wenn die tatsächlichen Zahlen dafür keinen Anlass böten, betonte Pfalzgraf. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels notwendig, denn mit zunehmendem Alter nehme die Furcht vor Gewalt auf Straßen und Plätzen zu.
"Wir müssen uns die Kieze zurückerobern", sagte der Gewerkschafter. Viel Wissen über Wohngebiete sei verloren gegangen, seit es die sogenannten Kontaktbereichsbeamten als "ständiger Ansprechpartner der Bürger" nicht mehr gebe. Sicherheit sei ein "Grundbedürfnis" und entscheide mit über die Lebensqualität.
Kritisch sieht Pfalzgraf allerdings den in angelsächsischen Ländern verbreiteten Umgang mit Kriminalität. Die Veröffentlichung von kriminalitätsgefährdeten Bars, Parks oder Einkaufspassagen mit genauen Angaben zu Straftaten - wie es in Großbritannien geplant ist - könne Ängste schüren und nutze vor allem privaten Sicherheitsdiensten.
Die Polizeigewerkschaft plädiere für einen anderen Ansatz, sagte der Landeschef. Statt die Menschen vor bestimmten Orten zu warnen, sollte mehr in Sicherheit investiert werden. Zusätzliche Polizisten seien ebenso notwendig wie zertifizierte Securityfirmen als Einlasskontrollen vor Bars und Diskotheken statt billiger Türsteher mit möglicherweise schwarzer Weste.
dapd
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