18.09.2011, 22:34 Uhr | dapd
"8,5 Prozent, 8,5 Prozent", schreit ein Piraten-Anhänger fassungslos gegen den immer lauter werdenden Jubel an. Als am Wahlsonntag um 18.00 Uhr die Prognose über die Bildschirme flackert, gibt es auf der Wahlparty der Berliner Piratenpartei im "Ritter Butzke" in Kreuzberg kein Halten mehr. Mit den Worten "Wir haben es geschafft", fallen sich Piraten in die Arme.
Weitere Hochrechnungen sahen die Piraten sogar bei neun Prozent. Sie hätten das Abgeordnetenhaus damit mit 15 Abgeordneten "geentert", wie sie es nennen. Es ist der erste Einzug der Partei in ein Landesparlament überhaupt.
Der Berliner Piraten-Landesvorsitzende Gerhard Anger kommentiert den Erfolg seiner Partei in einer Rede vor der jubelnden Menge sichtlich überrascht mit "krass". Groß ist die Empörung, als die Prognosen der Landeswahlleiterin auf deren Internetseite die Piraten unter "Sonstige" führen, anstatt ihnen einen eigenen Balken zu geben. Bis in die späten Abendstunden wurde der Spitzenkandidat Andreas Baum auf der Party nicht gesehen. Er hat Fernsehauftritte, sagen seine Mitstreiter.
Vor Beginn der Wahlparty waren die Gäste stilecht mit Seemannsliedern auf dem Akkordeon begrüßt worden. Auch das burgähnliche Äußere des Kreuzberger Clubs passt, denn der Berliner Szenekiez gilt als Hochburg der Piraten. Der prall gefüllte Raum, er fasst bis zu 1.400 Menschen, erinnert mit gedämpften Licht und DJ eher an eine Elektroparty als an eine politische Veranstaltung.
Um sich für den Jubel zu stärken, gibt es Leberwurst- und Frischkäsebrote. Viele Piraten trinken dazu ein matehaltige Erfrischungsgetränk, andere Bier.
Das Publikum spiegelt das Image der Piratenpartei wider: jung, wild und frech. Viele Gäste tragen ein schwarzes Shirt mit der Piratenflagge, Anzüge sieht man kaum. Und wenn doch, so sind deren Träger auch schon Mal mit einem orangenem Irokesen frisiert.
"Wir müssen jetzt im Abgeordnetenhaus erstmal Arbeitsfähigkeit herstellen", sagt Kandidat Christopher Lauer, der mit Landeslistenplatz zehn ebenfalls ins Landesparlament eingezogen wäre. Zudem müssten die allesamt politisch unerfahrenen Piraten-Abgeordneten erstmal "die Geschäftsordnung des Parlaments durchwälzen".
Über mögliche Koalitionspartner will im Siegestaumel niemand reden, "erstmal diesen Abend genießen", sagt euphorisch ein Gast. Aber wenn die Stimmung im Publikum ein Indiz ist, dann würden die Piraten gern mit der SPD zusammenarbeiten. Denn wohlwollendes Klatschen braust auf als deren Spitzenkandidat Klaus Wowereit auf den Fernsehbildschirmen im Club erscheint. Auch der Linken bringen die Piraten offenbar Sympathie entgegen.
Gnadenlos ausgebuht wird hingegen Grüne-Spitzenkandidatin Renate Künast. Besonders als diese vor den Kameras sagt, die Grünen hätten von allen Parteien die meisten Wählerstimmen hinzugewonnen. Mit einer Mischung aus Buhrufen und hämischer Freude kommentieren die Piraten das schlechte Abschneiden der FDP.
Nicht nur für die Piratenpartei bedeutet deren Wahlerfolg in der Hauptstadt eine Zäsur. Erst vor fünf Jahren gegründet hat sie vor allem von einer latenten Anti-Parteien-Stimmung in Berlin profitiert und der etablierten Konkurrenz Wählerstimmen abgejagt. Bisher wurden die Piraten vor allem mit Internetthemen wahrgenommen. Ob sie mehr können, müssen sie jetzt im Abgeordnetenhaus zeigen.
dapd
Alois schrieb:
am 19. September 2011 um 12:59:48
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Braucht Berlin eine Spaßpartei? So lange CDU/CSU-Länder Berlin über Wasser halten, ja!
Es ist ein demokratisches Recht,eine Partei zu
gründen.Für die praktische Arbeit im Parlament nützen erfahrene Politiker dem Staat mehr,wie Leute,die sich erst einarbeiten müssen.Nach langjähriger Beobachtung muss man feststellen,dass die besten Leute bei der CDU sind.Die Erneuerung innerhalb einer Partei erfolgt schon durch die Nachrücker in der CDU.In der 2.Reihe steht die SPD.
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momo schrieb:
am 19. September 2011 um 10:04:29
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piraten
Es ist wohl wie es immer ist: am Anfang steht der jugendliche Größenwahn. Am Ende werden sie vom politischen Geschäft aufgerieben.
Die "Grünen" sind das abschreckende Vorbild.
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asgasdfg schrieb:
am 19. September 2011 um 06:11:45
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Piraten in Berlin
Was ich lustig fände: Wenn Wowereit jetzt wegen der Autobahnverlängerung einfach Nö zu den Grünen sagt, und stattdessen
einfach weiter mit den Linken regiert, indem er die Piraten mit ins Boot holt! XD Weitaus komfortablere Mehrheit als mit Rot-Grün. Das wird dann lustig in Berlin, grasrauchen und downloaden, bis der Arzt kommt... :P
Auch schön: Die Sonstigen ziehen ebenfalls ins Berliner Parlament ein, da sie erstmals über die 5-Prozent-Hürde gekommen sind! ;)
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