26.05.2011, 16:30 Uhr | dapd
Berlin (dapd-bln). Im Verfahren gegen Nadja Auermann wegen Steuerhinterziehung haben am Donnerstag Zeugen die Angaben des Models im Wesentlichen gestützt. Eine 66-jährige Zeugin bezeichnete die mit "ein paar Möbeln" eingerichtete Berliner Villa als "ewige Baustelle". Die Rentnerin hatte sich "sporadisch", wie sie sagte, um Auermanns Kinder gekümmert und - wenn sie in Berlin war -auch für Auermann geputzt und gebügelt. Ein früherer Bauleiter hatte zuvor berichtet, dass Auermann es damals "vehement abgelehnt hat", nach Deutschland zurückzukommen und in das Haus einzuziehen. Sein Auftrag sei gewesen, das Haus so instand zu setzen, dass "man es vermieten kann".
Im Verfahren geht es um die Frage, ob Auermann zwischen 1999 und 2002 einen Wohnsitz in Deutschland hatte und somit hier steuerpflichtig war. Die Staatsanwaltschaft sieht ihren Verdacht in dem Kauf der Villa begründet. Sie geht von einem Steuerschaden von rund 272 000 Euro aus. Mitangeklagt ist ihr Ex-Mann, der Schauspieler Wolfram Grandezka. Zu Prozessauftakt vor einer Woche hatte die 40-Jährige ihre Unschuld beteuert. Ihren Angaben zufolge lebte sie damals in Monaco.
Nach Aussage des mit Nadja Auermann befreundeten Bauleiters war das Ex-Model meist nicht länger als "ein, zwei Tage" da. Die Villa sei "fotografisch ein tolles Ding" gewesen, aber ansonsten ein "Kostengrab", weil es in der Einflugschneise eines Flughafens liege. Zudem habe es in dem 1910 erbauten Haus "ständig neue Unwegsamkeiten" bei den Bauarbeiten gegeben. Die Villa war nach den Worten des Zeugen ein "Möbellager". "Wenn sie kam, wurde geputzt, damit es nicht mehr wie eine Baustelle aussah", sagte er. Ein Handwerksmeister, der Ende 2000 für den Einbau der Heizungs- und Sanitäranlagen zuständig war, empfand hingegen, dass die Villa "ab Erdgeschoss fertiggestellt und komplett eingerichtet war".
Die umstrittene Immobilie war von zwei ausländischen Firmen für Auermann erworben wurden. Ihr damaliger Wirtschaftsprüfer bestätigte, dem Model zu diesem Konstrukt geraten zu haben, weil sie wegen ihrer Prominenz nicht im "Grundbuch stehen wollte". Nach Aussage des Mannes wurde Auermann darauf hingewiesen, "dass sie das Objekt nicht bewohnen darf, wenn sie in Deutschland nicht steuerpflichtig sein will". Seiner Kenntnis zufolge sollte das Haus "erworben, modernisiert und wieder veräußert werden".
Auermann hatte im Prozess betont, dass das Haus in erster Linie eine "Investition" war. Sie habe nie einziehen wollen. Sie gab an, erst im Sommer 2002 von Monaco mit ihrer Familie nach Deutschland gezogen zu sein. Die gebürtige Berlinerin lebt mittlerweile mit ihren drei Kindern in Dresden. Die Berliner Villa ist seit 2003 vermietet.
Der Prozess wird am 30. Mai mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.
dapd
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