29.07.2011, 14:15 Uhr | dapd
Trier (dapd-rps). Mit aufgesetzter Gasmaske sprüht Johanna Bendler mit voller Konzentration die feinen Umrisse eines Graffiti-Demonstranten an eine Wand im Trierer "Zuppermarket". Die zierliche Frau organisiert an diesem Wochenende den ersten QuattroPole Graffiti-Jam in der ehemaligen Halle eines Schlachthofs mit 30 Künstlern aus Trier, Saarbrücken, Luxemburg und Metz.
"Wir wollen bei diesem Jam Jugendliche und Graffiti-Profis zusammenbringen", erläutert Projektleiterin Johanna Bendler, die an der Europäischen Kunstakademie in Trier zur Diplom-Malerin ausgebildet wird. Die 28-Jährige ist seit ihrem elften Lebensjahr in der Szene aktiv und hat vor allem durch ihre zahlreichen Kontakte die Graffiti-Künstler für das Projekt gewinnen können. So wird unter anderem der Saarbrücker Sprüher Reso, Jahrgang 1975 teilnehmen, der unter seinem bürgerlichen Namen Patrick Jungfleisch als Kunstlehrer an einer Gesamtschule arbeitet.
"Hier haben die Besucher einmal die Möglichkeit, die Künstler hinter ihren Masken kennenzulernen, die für diese Szene typisch ist", verspricht Bendler. Alle Teilnehmer teilen gemeinsam die Liebe zur Dose. "Das ist fast schon eine Religion."
Im "Zuppermarket" im Stadtteil Trier-West werden die Sprüher aus den QuattroPole-Städten Trier, Luxemburg, Saarbrücken und Metz eine etwa 55 Quadratmeter große Konzeptwand zum Thema BMX und Skaten gestalten. Damit wird die heutige Nutzung der Halle künstlerisch aufgegriffen. "Seit 2009 betreiben wir diese Halle", erklärt der ehrenamtliche Projektleiter Axel Reichertz vom Verein Palais. Nach dem Auszug eines Supermarkts stand das Gebäude zuvor leer. Jetzt kommen pro Tag zwischen 50 und 100 Jugendliche, zahlen drei Euro Eintritt. Dadurch komme die Initiative ohne finanzielle Zuschüsse aus. Auch Schulen nutzten die Halle für ihren Sportunterricht, betont der 42-Jährige.
Durch den Graffiti-Jam soll der "Zuppermarket" noch attraktiver werden. Da sich viele Skater bei ihren Sprüngen gegenseitig filmen, achten sie auch auf einen passenden Hintergrund. "Da ziehen Graffiti-Wände mehr, als etwa ein Parkhaus." Besucher können sich die Neugestaltung der alten Halle während des Jams kostenfrei anschauen. Am Sonntag ist für 16.00 Uhr eine Führung vorgesehen.
Der Graffiti-Jam wird durch das QuattroPole-Netzwerk gefördert. 1.000 Euro stehen für Farbdosen zur Verfügung. Die Betreiber des "Zuppermarkets" wollen ihr Konzept der QuattroPole-Events als jährliche Veranstaltung etablierten. Bereits 2010 fand der QuattroPole Skate-Cup statt, 2012 sei ein BMX-Cup denkbar.
dapd
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