29.11.2011, 11:23 Uhr | dapd
Rund 300 Menschen haben in Erfurt der Opfer des rechtsextremistischen Terrors gedacht und gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Zu der Veranstaltung hatten am Montag Landesregierung, Fraktionen, Gewerkschaften, Kirchen, Glaubensgemeinschaften und Bündnisse gegen Rechts aufgerufen.
Die ehemalige Erfurter Pröbstin Elfriede Begrich bezeichnete die Opfer als "Menschen, die zu uns gehörten". Zugleich sei sie zornig über "die jahrelange Verschleierung und Verharmlosung rechtsextremistischer Taten". Sie erinnerte daran, dass die mutmaßlichen Täter aus der Mitte der Gesellschaft gekommen seien.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayman Mazyek, beklagte, dass noch immer ein Teil der Bevölkerung bei antisemitischen Übergriffen wegschaue. Die Muslime seien daher über die Taten "erschrocken, aber nicht überrascht", sagte er mit Blick auf die Übergriffe in Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock. Allein in diesem Jahr habe es deutschlandweit 20 Anschläge auf muslimische Gotteshäuser gegeben.
Die Morde der rechtsextremistischen Terrorzelle bezeichnete er als Anschläge auf die Gesellschaft. In diesem Zusammenhang forderte er eine lückenlose Aufklärung und hoffe auf die "Anständigkeit der Zuständigen".
Auch der Rektor des Potsdamer Abraham Geiger Kollegs, Walter Homolka, beklagte dass der Resonanzboden für Rechte in Deutschland wieder gewachsen sei. Mit Blick auf die Bezahlung von V-Leuten aus der rechten Szene kritisierte er, dass möglicherweise Steuermittel die Angriffe ermöglicht hätten. Daher scheine es, als könne die Aufklärung nicht den Sicherheitsbehörden allein überlassen werden.
Weitere Redner waren Vertreter von Gewerkschaften, Opferverbänden und Beratungsstationen. Seitens der Landesregierung nahmen Innenminister Jörg Geibert und Europaministerin Marion Walsmann (beide CDU) sowie Kultusminister Christoph Matschie und Wirtschaftsminister Matthias Machnig (beide SPD) teil. Unter den Teilnehmern waren zudem Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow und SPD-Fraktionschef Uwe Höhn.
dapd
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