06.01.2011, 14:01 Uhr | DAPD
Frankfurt/Main (dapd-hes). Hessenweit ist sie bislang die einzige ihrer Art: Die Umweltzone in Frankfurt am Main verbietet Fahrzeugen ohne grüne und gelbe Feinstaubplakette die Zufahrt zu entsprechend ausgewiesenen Stadtgebieten. Mehrere Umweltschutzverbände und auch einzelne Kommunen streben jetzt aber eine einheitliche regionale Umweltzone für das gesamte Rhein-Main-Gebiet an, um künftig die Belastung der Luft mit Feinstaub und schädlichen Gasen zu senken.
Ideal sei eine durchgehende Umweltzone, die möglichst alle Städte und Kreise des Ballungsgebietes umfasse, betont Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund NABU. "Die Einführung von Schutzzonen hat sich bewährt, um die Konzentration von Krebs erregenden Rußpartikel zu senken." Dass die Autobahnen 5, 661 und 3 in der Nähe Frankfurts von der dort herrschenden Zone ausgeschlossen sind, sei jedoch bedauerlich.
Der ADAC Hessen-Thüringen wehrt sich indes gegen eine Ausweitung sowie zunehmende Verschärfung der Umweltzonen. Diese seien für die Senkung der Schadstoffbelastung der Luft "relativ wirkungslos", sagt Wolfgang Herda von der Verkehrsabteilung des Automobilklubs. Die Zonen belasteten die Autofahrer finanziell, die für eine Umrüstung ihrer Wagen bis zu 1.200 Euro ausgeben müssten. Für Lastwagen lägen die Belastungen noch deutlich höher.
Seit Einführung der Umweltzone in Frankfurt im Jahr 2008 macht die Stadt positive Erfahrungen. Im vergangenen Jahr seien an allen vier Messstationen die Feinstaubgrenzwerte eingehalten worden, sagt Rainer Vollweiter vom Umweltamt. An 35 Tagen im Jahr darf der Tagesmittelwert für Feinstaub von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten werden. Im abgelaufenen Jahr wurde diese Vorgabe selbst an der verkehrsreichen Friedberger Landstraße eingehalten: Dort gab 2010 es noch an 26 Tagen zu hohe Werte. Im Jahr davor waren es noch 36 Tage und 2006 sogar 55 Tage. Die Umweltzone wurde im Oktober 12008 eingerichtet.
Eine statistisch belastbare Aussage, ob die Frankfurter Umweltzone seit ihrer Einführung die Luftqualität signifikant verbessert hat, ist nach Einschätzung des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) wegen des relativ kurzen Vergleichszeitraums aber noch nicht möglich. "Es ist aber davon auszugehen, dass in den ausgewiesenen Gebieten weniger Feinstaub und Stickoxide auftreten, weil wegen der Regelungen dort auch insgesamt weniger Schadstoffe entstehen", räumt Angelika Broll, die das HLUG-Messnetz betreut, aber ein.
Allerdings wurden im vergangenen Jahr an acht von insgesamt 33 Messstationen - unter anderem in Frankfurt - der Jahresmittelwert der zulässigen Konzentration für Stickstoffdioxid, der bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegt, überschritten. "Die Höchstwerte gab es für Darmstadt mit 65 und für Frankfurt mit 56 Mikrogramm des Gases pro Kubikmeter Luft", sagt Broll. Der gasförmige Stoff, der bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe anfällt, habe ähnliche Auswirkungen auf den menschlichen Körper wie Feinstaubpartikel, die Atmungsorgane reizen und schädigen können.
Wiesbaden, wo 2010 ebenfalls der Durchschnittswert für Stickstoffdioxid überschritten wurde, peilt gemeinsam mit der benachbarten rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz die Errichtung einer Umweltzone nach Frankfurter Vorbild an. "Wegen der nicht eingehaltenen EU-Normen sind wir ja gezwungen, Maßnahmen zu nennen, um die Werte künftig zu mindern", sagt Umweltdezernentin Rita Thies. Die Stadtverordnetenversammlung hat bereits einem Beschluss für eine solche Zone zugestimmt. Letztlich obliegt aber dem hessischen Umweltministerium in Abstimmung mit dem Verkehrsministerium, ob eine Umweltzone überhaupt entsteht und welchen Zuschnitt sie erhält.
Die Landesregierung hatte beispielsweise entsprechende Bestrebungen Offenbachs abgelehnt. Für die Zulassung einer Umweltzone gehe es bei der Bewertung darum, dass die Ausweisung der Gebiete zu einer "nachhaltigen Verbesserung" führen müsse, betont der Sprecher der Umweltministeriums, Thorsten Neels. Bei der Fortschreibung des sogenannten Luftreinhalteplans, in denen zu erwartende Umweltbelastungen und gleichzeitig Maßnahmen zur Verbesserung der Luft eingehen, liege das Augenmerk nicht ausschließlich auf im Straßenverkehr entstehenden Schadstoffen. Berücksichtigt würden etwa auch Industriebetriebe und Heizungen in Wohngebäuden.
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