22.11.2010, 19:25 Uhr | DAPD
Berlin (dapd-bln). Eine Polizistin steht am Montagmittag schwer bewaffnet vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. "Heute wird hier bestimmt nicht mehr aufgemacht", sagt sie wieder und wieder geduldig zu Besuchern aus aller Welt. Die Reaktionen sind unterschiedlich: Einige verdrehen nur die Augen zum verregneten Berliner Himmel, andere, wie ein älterer Tourist aus Indien, sind schlicht "enttäuscht" und stehen ratlos vor den rot-weiß lackierten Absperrgittern. Kurz zuvor hatte die Bundestagsverwaltung überraschend die sofortige Schließung von Kuppel und Dachterrasse "bis auf weiteres" mitgeteilt.
Zeitgleich informierte Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) im Abgeordnetenhaus, dass 60 Bundespolizisten die Berliner Kollegen bei der Absperrung des Reichstages unterstützen. Der "Spiegel" hatte am Wochenende gemeldet, islamische Terroristen könnten den Reichstag für einen Überfall oder Anschläge ins Visier nehmen. Zunächst verbat sich die Politik Panikmache, allen voran Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Doch am Montag schien das Risiko einer uneingeschränkten Öffnung wohl doch zu groß.
Die Reichstagskuppel steht eigentlich stellvertretend für die Berliner Republik: transparent und immer offen für jedermann. Selbst in den Abendstunden können Besucher die gewundene Schräge nach oben flanieren, um entweder über dem Tiergarten den Sonnenuntergang zu beobachten oder sich bis Mitternacht am Lichtermeer der Metropole zu erfreuen.
Nur drei Mal im Jahr werde das Gebäude aus technischen Gründen geschlossen, heißt es aus der Verwaltung. Dann rücken die Fensterputzer an. Eine weitere Ausnahme ist die Wartung des großen Sonnensegels, was einmal jährlich passiert. Bei der Wahl von Christian Wulff zum Bundespräsidenten am 30. Juni war der Zugang ebenso gesperrt - aber eben nur kurz.
Ganz dicht ist der Reichstag derzeit dennoch nicht. Nach wie vor arbeitet die Verwaltung. Und nach wie vor dürfen angemeldete Gruppen nach dem Passieren der Sicherheitsschleusen nach oben. Die eigentlichen Bereiche des Politikbetriebes sind für Normalbürger sowieso tabu, Rundgänge sonst nur mit Führern möglich.
Für die Besuchertribüne gelten bei Plenardebatten spezielle Zeit-Regelungen. Ebenfalls weiterhin geöffnet hat das Restaurant Käfer auf der Dachterrasse. "Wer kommen will, muss mit einem gewissen Vorlauf reservieren und wird neben einer gesonderten Einlasskontrolle vorher namentlich von der Polizei überprüft", sagt ein Mitarbeiter.
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