28.10.2010, 09:04 Uhr | DDP
Frankfurt/Main (dapd-rps). Der Billigflieger Ryanair will den Flugbetrieb auf dem rheinland-pfälzischen Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück im kommenden Jahr deutlich reduzieren. Ab Sommer 2011 sollen von dort nur noch 45 statt bisher 54 Ziele angeflogen werden, teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Die Zahl der wöchentlichen Flüge von Frankfurt-Hahn aus sinkt demnach von 532 auf 382.
Ryanair begründet die Streichung der Flugverbindungen mit der von der Bundesregierung angekündigten Luftverkehrsabgabe. "Wir wollen nicht als Unternehmen arbeiten, das Steuern für die deutsche Regierung einsammelt", sagte Ryanair-Geschäftsführer Michael Cawley.
Die Flughafen Frankfurt-Hahn-GmbH, dessen Haupteigner das Land Rheinland-Pfalz ist, hat mit einem Fünf-Punkte-Maßnahmenpaket auf die Ankündigung der Fluggesellschaft reagiert. Die rheinland-pfälzischen Oppositionsparteien CDU und FDP sehen in der Abgabe einen von Ryanair vorgeschobenen Grund für den Abbau. Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) erneuerte hingegen seine Kritik an der von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossenen entfernungsabhängigen Luftverkehrsabgabe.
Von den elf im Hunsrück stationierten Fliegern will Ryanair drei abziehen. Bereits ab kommendem Januar soll die Strecke von Hahn nach Berlin nicht mehr angeflogen werden. Ab dem Sommerflugplan 2011 sollen dann auch die Verbindungen nach Agadir, Breslau, Danzig, Göteborg, Klagenfurt, Santiago de Compostela, Sevilla und Prag gestrichen werden. Zudem sollen 15 weitere Städte seltener angeflogen werden. Ryanair kündigte an, auch an anderen deutschen Flughäfen Verbindungen streichen zu wollen. Derzeit gebe es intensive Gespräche mit den Flughäfen in Weeze bei Düsseldorf und Bremen.
Nach den Plänen der Bundesregierung soll es ab dem 1. Januar eine entfernungsabhängige Luftverkehrsabgabe geben. Die Strecken von Ryanair werden demnach mit acht Euro pro Flug besteuert. Ein Flug bei Ryanair kostet nach Angaben des Unternehmens derzeit durchschnittlich 35 Euro. Der Billigflieger rechnet damit, dass auf dem Hahn im kommenden Jahr rund eine Million Passagiere weniger abgefertigt werden und rund 1.000 Jobs in und um den Flughafen wegfallen. Bislang hat der Flughafen jährlich knapp vier Millionen Passagiere verzeichnet.
Die Flughafenbetreiber wollen als Reaktion auf die Ankündigung von Ryanair weitere Frachtflüge für den Standort gewinnen. "Wir sind auf die neue Situation vorbereitet. Das Geschäftsmodell des Flughafens Frankfurt-Hahn steht nicht umsonst auf zwei starken Säulen: Dem Passagier- und dem Frachtverkehr", sagte der kaufmännische Geschäftsführer des Flughafens, Wolfgang Pollety. Nach Angaben des Betreibers sind auf dem Hahn in den ersten neun Monaten dieses Jahres 65 Prozent mehr Fracht umgeschlagen worden als im Vorjahreszeitraum.
Hering bezeichnete die Flugstreichungen als "bedauerliche Entscheidung, die der unsinnigen Luftverkehrsabgabe des Bundes geschuldet" sei. Vor negativen Folgen des Standorts Deutschland habe er bereits im Sommer "nachdrücklich gewarnt". Für den wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Licht, steht hingegen fest., dass Ryanair die Strecken nicht wegen der Abgabe streicht: "Es spricht viel dafür, dass Ryanair die geplante Luftverkehrsabgabe vorschiebt, um sich von weniger profitablen oder unprofitablen Strecken zu trennen", sagte Licht. Ähnlich bewertet auch der Chef der FDP-Fraktion, Herbert Mertin, die Firmenpolitik von Ryanair. "Das ist für den Flughafen zwar keine gute Nachricht, die Begründung ist allerdings nicht überzeugend", sagte er. Ryanair habe eine betriebswirtschaftliche Entscheidung getroffen.
dapd
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