15.02.2011, 14:53 Uhr | dapd
Radebeul (dapd-lsc). Trotz der frostigen Temperaturen herrscht derzeit Hochbetrieb in den sächsischen Weinbergen. In diesen Wochen steht der Rebschnitt an. "Diese Arbeit legt den Grundstein für die nächste Ernte", sagt Frank Sparbert von der Weinbaugemeinschaft des Radebeuler Stadtteils Zitzschewig. Die Hobbywinzer veranstalten an diesem Wintertag einen Rebschnittlehrgang auf dem Krapenberg, hoch über dem Elbtal.
Dazu sind etwa 70 Teilnehmer aus ganz Sachsen gekommen. Sie lernen, wie Rebstöcke korrekt geschnitten werden, damit sie Ertrag bringen oder optisch als Spalier etwas her machen. "Mit der Pflege der Steillagen leisten wir einen Beitrag zum Erhalt der Jahrhunderte alten Kulturlandschaft", sagt Sparbert. Immerhin prägt der Weinbau seit mindestens 850 Jahren die Landschaft an der Elbe.
Mehrheitlich auf der rechten Elbseite reiht sich Weinberg an Weinberg, im 17. Jahrhundert wurden die steilen Terrassen angelegt. "Einer uns überlieferten Urkunde nach hat im Jahr 1161 Markgraf Otto der Reiche der Sankt-Egidien-Kapelle in Meißen einen schon gut im Ertrag stehenden Weinberg übereignet", erklärt die Projektkoordinatorin für das Festjahr beim Weinbauverband Sachsen, Marleen Herr. Dies sei die erste urkundliche Erwähnung für den Wein im heutigen Anbaugebiet.
Weil der Wein "schon gut im Ertrag stand", müssen in der Region vorher Rebstöcke gesetzt worden sein. Mindestens drei Jahre vergehen bis zur ersten Ernte. So könnte bereits der sagenumwobene Meißner Bischof Benno Anfang des 12. Jahrhunderts Wein hier kultiviert haben.
"Ausgehend von Mosel und Rhein dehnte sich der Weinbau immer weiter nach Osten aus", sagt Herr mit Verweis auf Historiker. Vor reichlich 1000 Jahren erreichte der Weinbau schließlich das Gebiet von Saale-Unstrut. Die Trauben waren anfangs bedeutend kleiner. Die Erträge erreichten etwa 25 bis 40 Prozent der heutigen Menge, die nach Angaben des Weinbauverbandes bei durchschnittlich 48 Hektoliter pro Hektar liegt.
Dem Hobbywinzer Sparbert liegt der Goldriesling besonders am Herzen. Er werde gewerblich nur noch in Sachsen gepflegt und gelte als regionale Besonderheit. In der DDR sei Wein aus der Meißner Gegend "so etwas wie eine dritte Währung" neben der Ost- und der D-Mark gewesen, sagt Sparbert. Eine Flasche des seltenen Weins machte seinerzeit so manche Bückware erreichbar oder animierte Handwerker zur Annahme von Aufträgen. Als Rarität wird sächsischer Wein noch immer gehandelt, was sich im Preis niederschlägt.
"In Deutschland haben die sächsischen Weine trotzdem einen durchaus hohen Bekanntheitsgrad", sagt Ernst Bücher vom Deutschen Weininstitut. International gesehen sei Sachsen aber sicherlich eher für seine kulturellen Schätze bekannt als für Wein. In der Qualität stünden die sächsischen Weine denen aus den übrigen deutschen Weinregionen in nichts nach, betont Bücher. Dies zeigten immer wieder verdeckte Weinverkostungen.
Der Weinbau selbst hat im Freistaat als Wirtschaftsfaktor eher geringe Bedeutung. Nach Angaben des Statistischen Landesamts betreiben 25 Betriebe Weinbau als "Haupteinnahmequelle", in denen etwa 35 Familienarbeitskräfte und 150 fremde Arbeitskräfte beschäftigt sind. Die Zahl der Saisonkräfte schwankt.
"Wir Hobbywinzer setzen auf Freunde und Familie, die bei der Lese helfen", sagt Sparbert, während er mit einer speziellen Schere eine Weinrute abschneidet und dabei nur wenige Augen für den neuen Austrieb stehen lässt. Einen Fehler, so erfahren die Teilnehmer des Rebschnittlehrgangs, machten die meisten Anfänger: Sie sind beim Rückschnitt im Winter zu zaghaft.
dapd
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