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Salatsprossen – mögliche EHEC Quelle in Niedersachsen

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Niedersachsen führt EHEC auf Salatsprossen zurück

06.06.2011, 16:38 Uhr | dapd

Hannover (dapd-lmv). Das niedersächsische Verbraucherschutzministerium hat nach eigenen Angaben eine mögliche Quelle der EHEC-Infektionen entdeckt. "Wir haben ein Produkt identifiziert, das an alle großen Ausbruchsherde von EHEC-Erkrankungen geliefert worden ist", sagte ein Sprecher des Ministeriums am Sonntag in Hannover. Wie verlautete, soll es sich dabei um Sprossen von Mungo- oder Sojabohnen handeln. Ein Betrieb in Niedersachsen habe aus solchen Bohnen Sprossen für den rohen Verzehr in Salaten gezogen, hieß es.

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) hat nach eigener Einschätzung neue heiße Spuren, die zu dem Erreger führen könnten. Eine konkrete Ursache lasse sich jedoch noch nicht eingrenzen, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger allerdings. Die Theorie, Keimsprossen könnten den Ausbruch des gefährlichen Erregers verursacht haben, wollten weder Burger noch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bestätigen.

Bahr und Burger besuchten am Sonntag EHEC-Kranke im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Dabei wies der FDP-Politiker Kritik am Krisenmanagement zurück. "Ich habe miterlebt, wie die Mitarbeiter in den Behörden mit Hochdruck daran gearbeitet haben und auch frühzeitig die Bürger mit Transparenz informiert haben", sagte Bahr. Die Opposition hatte die Einrichtung eines Krisenstabes gefordert und die Bundesregierung kritisiert. Im Zusammenhang mit der EHEC-Welle ist in den nächsten Tagen ein Treffen der Gesundheits- und Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern geplant.

Von den Erkrankungen mit dem lebensgefährlichen Darmkeim EHEC ist weiterhin vor allem Norddeutschland betroffen. RKI-Chef Burger zufolge werden bundesweit mittlerweile 21 Todesfälle mit EHEC in Verbindung gebracht. In Deutschland seien inzwischen mehr als 1.500 EHEC-Fälle sowie mehr als 620 HUS-Fälle gemeldet worden.

Das niedersächsische Verbraucherschutzministerium hat nach eigenen Angaben Vertriebswege nachverfolgt und untersucht wo Lokale, Kantinen oder Verbraucher vor EHEC-Ausbrüchen oder -Erkrankungen Lebensmittel bezogen hatten. So sei man auf den Sprossen-Produzenten als möglichen gemeinsamen Verursacher der Erkrankungen gestoßen, hieß es. Allerdings sei der Erreger in den Produkten des Betriebes bislang noch nicht nachgewiesen worden. Bislang ging man von rohen Tomaten, Gurken und Blattsalat als mögliche Infektionsursache aus.

Bei der Suche nach dem Verbreitungsweg des EHEC-Erregers war zuvor ein Restaurant in Lübeck ins Visier der Behörden geraten. Dort infizierten sich offenbar mehrere Gäste, eine Frau starb. Zu den Betroffenen zählen Teilnehmerinnen eines Treffens der Deutschen Steuergewerkschaft, wie deren Vorsitzender Dieter Ondracek auf dapd-Anfrage sagte.

Das Restaurant sei deshalb ins Visier der Gesundheitsbehörden geraten, weil am 13. Mai dort auch eine dänische Besuchergruppe gegessen habe, von denen sich einige ebenfalls mit EHEC infiziert hätten, erklärte Ondracek. Der Wirt der Gaststätte sagte im ZDF, er schließe nicht aus, dass eine Charge seines Lieferanten mit EHEC-Keimen belastet gewesen sein könnte. Nach seinen Angaben wurde das Lokal mittlerweile von den Gesundheitsbehörden untersucht - ohne Befund. Weitere Untersuchungsergebnisse wurden für den (morgigen) Montag erwartet.

Der Ärztliche Direktor der Berliner Charité, Ulrich Frei, kritisierte unterdessen im "Tagesspiegel" die Arbeit des Rober-Koch-Instituts. Die Charité habe erst in dieser Woche Fragebögen für die EHEC-Patienten bekommen. "Das reicht nicht. Man hätte die Patienten interviewen sollen", sagte er der Zeitung.


dapd  

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