06.02.2012, 16:56 Uhr | dapd
Tierseuchenexperten befürchten eine flächendeckende Ausbreitung des Rinder und Schafe bedrohenden Schmallenberg-Virus in ganz Deutschland. Da das Virus von Mücken übertragen werde, hätten die derzeitigen Minustemperaturen die Ausbreitung zwar erst einmal gestoppt, sagte Karl Zimmer, Leiter des Instituts für Tierseuchendiagnostik in Koblenz, der Nachrichtenagentur dapd. "Aber wenn die Mücken wieder aktiv werden, bekommen wir wohl bald eine flächendeckende Ausbreitung", fügte er hinzu.
Züchter könnten zwar versuchen, ihre Tiere vor Insektenstichen zu schützen. Aber das halte ich für "wenig realistisch". Der Seuchenexperte rechnet vielmehr damit, dass auch Wildtiere betroffen sein werden. "Wir rufen deshalb die Jäger auf, auf missgebildete Kitze zu achten und sie in die Landesuntersuchungsämter zu bringen", sagte Zimmer.
Eine Sperrung von Höfen mit infiziertenTieren wie bei anderen Seuchen werde es hingegen nicht geben. "Das würde überhaupt nichts nützen", erläuterte Zimmer. Wirklichen Schutz versprechen würde nur ein Impfstoff. Aber da es sich um ein völlig unbekanntes Virus handele, fange die Entwicklung bei Null an. Weil die Krankheit zur Geburt missgebildeter Kälber und Lämmer führe, sei es zudem wichtig, die Wirkung des Präparats an tragenden Tieren zu testen. "Das ist dieses Jahr nicht mehr zu schaffen", befürchtet der Tierarzt.
Doch es gibt Hoffnung: Die Experten erwarten, dass erwachsene Tiere nach überstandener Krankheit immun gegen das Schmallenberg-Virus werden. "Muttertiere würden vermutlich wieder gesunde Nachkommen zur Welt bringen", sagte Zimmer.
dapd
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