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Schmallenberg-Virus: Hunderte Tiere leiden in NRW an ominösen Virus

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Hunderte Tiere leiden unter dem Schmallenberg-Virus

06.02.2012, 17:02 Uhr | dapd

Eigentlich hatte Georg Risse schon Hoffnung geschöpft. Mehrere Tage ging alles gut; die Lämmer, die in der vergangenen Woche auf seinem Hof im sauerländischen Warstein auf die Welt kamen, waren putzmunter und gesund. Doch dann am Sonntagabend der Rückschlag: Wieder ist eines der neugeborenen Lämmer missgebildet. Schuld ist vermutlich erneut das Schmallenberg-Virus.

Etwa 25 Tiere hat Risse durch das ominöse Virus seit Jahresbeginn bereits verloren und damit etwa jedes 13. seiner Lämmer. Entweder werden die Tiere tot geboren oder sie kommen mit Missbildungen zur Welt. "Auch dann sind sie nicht lebensfähig", erläutert der Schäfer. Die kranken Jungtiere würden daher sofort "weggeworfen".

Was das wirtschaftlich für ihn heißt, vermag der 40-Jährige noch nicht abzusehen. Da seine Haupteinnahmequelle jedoch der Verkauf von Lammfleisch ist, bedeutet jedes tote Jungtier auch weniger Einnahmen. Zu spüren bekommen wird er das vor allem im Frühsommer, wenn er die meisten Lämmer verkauft. "Dann kommt weniger Geld rein, aber die Kosten für das Futter der großen Tiere bleiben", sorgt sich der Schäfer.

Probleme wie Risse haben derzeit viele Tierzüchter. Allein im Kreis Soest ist das Virus inzwischen in 16 Schafställen nachgewiesen worden. Nach Angaben des Landesumweltamts NRW in Recklinghausen waren zum Stichtag am 3. Februar landesweit 151 Schafe und 5 Ziegen nachweislich von der Krankheit betroffen.

Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts leiden die Betriebe in NRW deutschlandweit am stärksten unter dem Virus. Ebenfalls zum Stichtag 3. Februar sei bundesweit in 280 Betrieben das Schmallenberg-Virus festgestellt worden, 161 und damit deutlich mehr als die Hälfte der Betriebe seien im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland angesiedelt.

Übertragen wird die Krankheit derzeitigen Erkenntnissen zufolge durch Mücken. Doch welches Mutterschaf infiziert wurde und vermutlich ein krankes Lamm zur Welt bringen wird, ist für Risse nicht auszumachen. "Bei Milchkühen, die auch betroffen sein können, ist festzustellen, dass sie deutlich weniger Milch geben und Fieber haben, aber bei Schafen merken wir nichts", sagt der Züchter. Erst wenn das tote oder verkrüppelte Lamm zur Welt kommt, sind die Folgen der Infektion zu sehen.

Das neue Virus, das erstmals im vergangenen Jahr festgestellt wurde, sorgt bei den Tierzüchtern für Verunsicherung. "Da sind noch viele Fragen offen", sagt Risse. Ihm sei beispielsweise aufgefallen, dass es nicht nur Totgeburten und Missbildungen bei Jungtieren gebe. "In letzter Zeit sind bei uns nur sehr wenige Lämmer geboren worden", berichtet der Schäfer, dessen Hof bereits seit vier Generationen in der Hand seiner Familie ist. Vielleicht sei auch das eine Folge der Erkrankung der Muttertiere.

Bislang sind von dem Virus vor allem Schaf-, aber auch Ziegenzüchter betroffen. Experten gingen davon aus, dass etwa acht bis zehn Prozent der Lämmer durch das Virus missgebildet oder getötet würden, sagt Risse. Doch auch Rinderbetrieben könnte noch Ungemach drohen. Weil die Tragzeit bei Kühen deutlich länger dauert als bei Schafen oder Ziegen, werden erst in den kommenden Monaten verstärkt Kälber geboren. Dann wird sich zeigen, ob auch die Rinderzüchter hohe Verluste hinnehmen müssen.


dapd  

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