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Schmallenberg-Virus treibt Viehzüchter in Ruin

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Schmallenberg-Virus treibt Viehzüchter in Ruin

06.02.2012, 15:56 Uhr | dapd

Auf einer hart gefrorenen Weide stehen 54 Bisons und beobachten argwöhnisch die Besucher am Elektrozaun. "Diese Tiere sind sehr krank und ich kann ihnen nicht helfen", sagt Kai Boller. Der Landwirt aus Hundsdorf im Westerwald (Rheinland-Pfalz) bangt um seine Existenz. Sechs seiner Tiere sind bereits tot, 25 weitere krank.

Unter Wiederkäuern breitet sich derzeit das sogenannte Schmallenberg-Virus rasant aus. Deutschlandweit sterben Schafe, Rinder und Ziegen. Tierseuchenexperten rechnen damit, dass sich die von Mücken übertragende Krankheit flächendeckend ausbreiten wird und auch Wildtiere befällt.

Der Tierarzt hat keine Medizin gegen die Viruserkrankung. Kai Boller hat ein homöopathische Mittel ins Trinkwasser getan, doch den Tieren geht es weiter schlecht. Bei einer abgemagerten Kuh zeichnen sich die Hüftknochen deutlich unter dem zottig braunen Fell ab. Eine andere Kuh hat Durchfall. Ein dritte Kuh hält sich mit hängendem Kopf einige Meter von den anderen fern. "Im schlimmsten Fall ist die Herde bald weg und ich muss bei Null anfangen", befürchtet der 46-Jährige.

Als der Landwirt mit Meistertitel den Milchviehbetrieb von seinem Vater übernahm, machte der Sonnenhof Verluste. Also schaffte der Querdenker die Kühe ab und begann vor sieben Jahre eine Bisonzucht. "Es klingt verrückt, aber das ist sehr gesundes Fleisch mit weniger Fett und Cholesterin als Pute oder Huhn", erklärt Boller. Der Erlös sei deutlich höher als beim Zuchtrind.

Sieben Jahre lang hat er investiert: "Das ging nur, weil meine Frau als Lehrerin ein regelmäßiges Gehalt hat." Jetzt sollte das kontrolliert ökologische Projekt eigentlich erstmals Gewinn einbringen. Mitte Dezember eröffnete Kai Boller seinen kleinen Hofladen. Die Kunden kauften Mettwürste und Burger für zwei Euro das Stück und magere Fleischwurst, deren Rezept der Landwirt gemeinsam mit einem Schlachter entwickelte hat.

Das Bisonfleisch schmeckt kräftig und schrumpft wegen des geringen Wasseranteils nicht beim Braten. Deshalb eignet es sich besonders für Steaks, die Boller für 30 Euro das Kilogramm angeboten hat. "Der Verkauf ist hervorragend angelaufen doch jetzt muss ich die Leute wegschicken", bedauert Boller. Seine Vorräte sind aufgebraucht und er habe aufgehört zu schlachten, weil die Tiere krank sind.

Jeden Tag geht Boller nun mit Bauchweh nach seinen Bisons schauen. Die Tiere heißen Jenny, Anna oder Mathilda. "Meine drei Kinder geben ihnen die Namen", erklärt der Familienvater. Doch auch wenn sie so aussehen, Kuscheltiere seien die Bisons auf keinen Fall. "Es sind Wildtiere mit einem starken Mutterinstinkt - selbst ich traue mich nicht zu ihnen auf die Weide." Macht ein Eindringling einem Kalb Angst, greift die gesamte Herde an.

Diese Wildheit wird den Bisons nun vermutlich zum Verhängnis - denn sie verhindert, dass Boller den Tieren bei der für April und Mai erwarteten Geburt ihrer Kälber helfen kann. Haben die Mütter das Schmallenberg-Virus, kommt der Nachwuchs mit unterentwickelten Gehirnen und verdrehten Gliedmaßen zur Welt. "Die Kühe werden bei der Geburt der missgebildeten Kälber sterben, denn die Herde lässt mich nicht eingreifen", sagt Kai Boller resigniert.


dapd  

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