21.12.2011, 08:37 Uhr | dapd
Der Würzburger Religionslehrer Martin Tühmler nimmt den Wintereinbruch auf dem Flughafen Frankfurt am Main mit Humor. "Früher war alles besser, auch die Lehrerfortbildung", sagt der 53-Jährige lachend: "Da hätte mich der Philologenverband einen Tag vorher nach Manchester geschickt und das Hotel bezahlt." Jetzt wird Tühmler seinen Termin in England nicht halten können. Sein Lufthansa-Flieger nach Manchester, planmäßiger Start am Dienstagmorgen um 9.05 Uhr, hebt mit über einer Stunde Verspätung ab. Aber der Lehrer hat Glück im Unglück, 50 Flüge fielen bis zum Mittag ganz aus.
Wenige Zentimeter Schnee sollten den Flughafenbetreiber Fraport eigentlich nicht in Verlegenheit bringen, im Herbst erst hatte das Unternehmen seinen Wagenpark für den Winterdienst für elf Millionen Euro modernisiert und aufgestockt. Mit 243 Räumgeräten und 50 Flugzeugenteisungs-Fahrzeugen bekämpft Fraport auf dem Rollfeld die weiße Pracht. "Wir haben im Vergleich zum Vorjahr auch die Zahl der Mitarbeiter im Winterdienst von 270 auf 450 erhöht", berichtet Fraport-Sprecher Wolfgang Schwalm. "Und trotzdem sind bei Schnee Verzögerungen unvermeidlich."
Ein Grund sei die schlechte Sicht, weil die Flugsicherung in Langen bei Schneefall die Abstände zwischen startenden und landenden Jets vergrößere, sagt Schwalm. Hinzu komme, dass Maschinen nicht planmäßig in Frankfurt eintreffen, weil sie auf einem Flughafen starteten, der für den Winter nicht optimal gerüstet ist. "Dann summieren sich negative Zeiten", sagt Schwalm. Sammle sich im Flugplan einer Airline für eine oder mehrere Maschinen zu viel Verspätungszeit an, streiche die Gesellschaft unter Umständen eine Verbindung.
Martin Tühmler beteiligt sich an einem Austauschprogramm mit englischen Kollegen. "Ich gehe an eine Grammar School ganz in der Nähe des Flughafens von Manchester", erzählt der Würzburger. "Um zwölf sollte ich in der Schule sein, aber das schaffe ich nicht mehr." Vielleicht hätte er in die Sonne fliegen sollen, sinniert der Pädagoge, als er auf die große Abflugtafel im Terminal blickt. Richtung Sommer scheinen die Maschinen pünktlich abzuheben. "Miami 10.05 Uhr zum Beispiel", sagt Tühmler. Der Flieger nach Florida wird planmäßig starten.
Für eine Enteisung seines Jets hat sich aber möglicherweise auch der Pilot der Miami-Maschine entscheiden müssen. Ob eines der Spezialfahrzeuge auf das Rollfeld geordert wird, bestimmt allein der Flugkapitän. Einen rundum tiefgefrorenen Flieger aufzutauen, stellt Fraport mit rund 9.000 Euro in Rechnung.
dapd
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