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Schneider Favorit für die Käßmann-Nachfolge

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Schneider Favorit für die Käßmann-Nachfolge

05.11.2010, 10:49 Uhr | DAPD

Hannover (dapd-nrd). Gut ein Jahr ist es her, dass die EKD-Synode Margot Käßmann als erste Frau in der Geschichte an die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt hat. Doch schon im Februar musste die Bischöfin nach ihrer Promillefahrt wieder zurücktreten. Ab Sonntag tritt das Kirchenparlament in Hannover nun erneut zusammen, um wieder einen Ratsvorsitzenden zu wählen. Favorit ist Präses Nikolaus Schneider, der dem Rat der EKD seit Käßmanns Abgang bereits kommissarisch vorsteht. Ein Gegenkandidat ist nicht in Sicht. Angesetzt ist die Wahl für Dienstag.

Schneider ist der derzeit profilierteste Kopf der deutschen Protestanten - auch wenn er weder ein so brillanter Intellektueller wie der langjährige Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber ist, noch über eine so temperamentvoll-mitreißende Art wie Margot Käßmann verfügt. Mit rheinischer Gelassenheit und doch dezidiert vertritt er seine Meinung - in der Sozial- und Friedenspolitik etwa, aber auch was die Notwendigkeit innerkirchlicher Reformen betrifft.

Geboren wurde Schneider am 3. September 1947 als Sohn eines Hochofenarbeiters in Duisburg. Von 1977 bis 1984 war er Pfarrer im Duisburger Stadtteil Rheinhausen, wo er sich für die Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Kohle- und Stahlindustrie einsetzte. Später war er Diakoniepfarrer in Moers.

Seit 1970 ist Schneider verheiratet, er ist Vater dreier Töchter. Seine jüngste Tochter Meike starb jedoch im Februar 2005 an Leukämie. Zusammen mit seiner Frau Anne verarbeitete er diese Erfahrung in dem Buch "Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist. Leben und Glauben mit dem Tod eines geliebten Menschen".

Bereits im Jahr 2003 war Schneider Präses der rheinischen Landeskirche geworden, im gleichen Jahr wählte ihn die Synode auch in den Rat der EKD. Im vergangenen Jahr wurde Nico Schneider - wie er kirchenintern oft genannt wird - dann zum Stellvertreter Käßmanns erkoren.

Nach Käßmanns Abschied war es deswegen folgerichtig, dass Schneider die Amtsgeschäfte des Ratsvorsitzenden zunächst kommissarisch weiterführte. Mehrfach hat er mittlerweile seine Bereitschaft betont, das Amt auch bis zum Ende der Amtsperiode im Herbst 2015 auszuüben - obwohl seine Lebensplanung eigentlich eine andere war, wie er ebenfalls sagte.

Mehrere Ratsmitglieder ließen bereits durchblicken, dass sie es begrüßen würden, wenn Schneider weiter Ratsvorsitzender bleiben würde. Und auch wenn die Synode in der Vergangenheit immer wieder überraschende Entscheidung getroffen hat, wäre alles andere als eine Wahl Schneiders eine faustdicke Überraschung - auch weil eine annähernd profilierte Alternative fehlt.

Vor der Wahl des neuen Ratsvorsitzenden muss die Synode jedoch zunächst zwei neue Ratsmitglieder wählen. Denn nicht nur der Posten Käßmanns ist vakant. Im vergangenen Jahr hatten die Synodalen rund 16 Stunden lang versucht, die in der Satzung vorgeschriebenen 14 Mitglieder für den Rat zu wählen. Nach zwölf Wahlgängen fehlte jedoch noch immer ein Mitglied für das Leitungsgremium, und es gab keine Bewerber mehr, weil die Synode der einzigen verbliebenen Kandidatin das Votum verweigerte.

Zum Auftakt der Tagung des Kirchenparlaments werden am Sonntag Bundespräsident Christian Wulff und Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, erwartet. Zudem wird die Synode verschiedene Kirchengesetze und den EKD-Haushalt 2011 beraten. Schwerpuntkthema in diesem Jahr ist die Bildungsgerechtigkeit. Außerdem wird angesichts des zeitgleich stattfindenden Castor-Transports eine Stellungnahme der Synode zum Thema Atomausstieg erwartet.


DAPD  

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