08.04.2011, 14:54 Uhr | dapd
München (dapd-bay). Feierlicher Aufmarsch der Kreml-Garde in historischen Uniformen, Champagner auf der Hotelterrasse hoch über dem Roten Platz, ein privater Abstecher in die Datscha von Wladimir Putin: Bei seinem legendären Abschiedsbesuch in Russland im Sommer 2007 durfte sich Edmund Stoiber (CSU) wie ein großer Staatsmann fühlen und von Bayerns Bedeutung in der Welt schwärmen.
Knapp vier Jahre danach reist am Sonntag mit Horst Seehofer (CSU) wieder ein bayerischer Regierungschef in die russische Hauptstadt - unter etwas veränderten Vorzeichen.
Von den vielfach belächelten weltpolitischen Ambitionen seines Vorvorgängers Stoiber ist Seehofers Außenpolitik so weit entfernt wie Ingolstadt von Sibirien. Zwar hat auch Seehofer mittlerweile mehrere wichtige Auslandsreisen absolviert, der 61-Jährige hat dabei aber insbesondere originär bayerische Interessen im Blick. So steht im Mittelpunkt der fünftägigen Russland-Reise die Vertiefung der Zusammenarbeit Bayerns mit den Millionenstädten Moskau und St. Petersburg - insbesondere in der Wirtschaft.
Wie Stoiber wohnt auch Seehofer in Moskau im wohl besten Hotel der Stadt, auf dessen Dachterasse sein Vorvorgänger 2007 mit einem Champagnerglas in der Hand gegen den Ruf des Asketen ankämpfte. Die Ehrengarde der russischen Armee wird für Seehofer allerdings im Kreml wohl nicht aufmarschieren: Zwar wird auch Seehofer von Putin empfangen, dieser durfte aber 2008 laut Verfassung für keine weitere Amtszeit als Präsident mehr kandidieren und übernahm stattdessen das Amt des Ministerpräsidenten.
Auch wenn Stoiber bei jeder seiner Moskau-Reisen von russischen Spitzenpolitikern empfangen wurde: Es bleibt ein außergewöhnliches Zeichen der Wertschätzung für Bayern, dass der Ministerpräsident eines Bundeslandes einen Termin beim Regierungschef einer Weltmacht mit einer Bevölkerung von 140 Millionen Einwohnern erhält. Auch bleiben Seehofer damit mögliche Kommentare erspart, dass der Freistaat nach Stoibers Abgang in der Provinzialität versinke.
Begleitet wird der Ministerpräsident von seinem Vize und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP), Vertretern der Landtagsfraktionen und einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation. "Gerade die wirtschaftliche Dynamik in Moskau und St. Petersburg macht es für zahlreiche bayerische Firmen attraktiv, sich dort vor Ort zu engagieren", sagt Seehofer und fügt hinzu: "Gute verlässliche politische Beziehungen vertiefen die internationale Zusammenarbeit und nutzen den Menschen in Russland und Bayern und stärken auch die Basis des wirtschaftlichen Engagements."
So ist denn auch die Wirtschaftsdelegation voll in Seehofers Besuchsprogramm eingebunden. Selbst zu seinem Gespräch am Mittwoch mit Putin wird er von Spitzenvertretern der Wirtschaft begleitet, darunter wohl auch von Siemens-Chef Peter Löscher. In Moskau trifft der Ministerpräsident ferner den neuen Moskauer Oberbürgermeister Sergei Sobjanin. Dabei soll eine Erneuerung der Vereinbarung über die Zusammenarbeit Bayerns mit Moskau unterzeichnet und das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft gefeiert werden.
In Petersburg nimmt die bayerische Delegation an der Eröffnung der "Deutschen Woche" teil, deren Partner-Bundesland in diesem Jahr der Freistaat ist. Zum Abschluss der Reise am Donnerstag trifft sich Seehofer noch mit der Gouverneurin der Stadt Petersburg, Walentina Matwijenko, einer Vertrauten Putins. Auch mit ihr will Seehofer rein Abkommen über partnerschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnen. Am Donnerstagabend wird die Delegation in München zurückerwartet.
dapd/guk
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