06.02.2012, 17:23 Uhr | dapd
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung absolviert seinen Gastauftritt in der ZDF-Krimiserie "Soko Leipzig" professionell. "Ich war überhaupt nicht aufgeregt", sagte der SPD-Politiker am Montag in Leipzig, "ich spiele mich ja selbst als Oberbürgermeister". Producerin Henriette Lippold von der Ufa Fernsehproduktion sprach davon, dass der 53-Jährige "als Schauspieler ausgesprochen talentiert" sei. "Er versteht, genau auf einen vorher vereinbarten Punkt zuzulaufen", berichtete Lippold, "daran erkennt man den Unterschied zwischen einem Laien und einem Profi." Als Prominente traten bei "Soko Leipzig" bisher die Rockgruppe Silly und der Schauspieler Gojko Mitic in Erscheinung, die ebenfalls sich selbst darstellten.
Jung erzählte von den schauspielerischen Erfahrungen, die er in seiner Jugend in Siegen in Nordrhein-Westfalen gesammelt hatte. "Ich hatte im Schultheater mehrere Rollen gespielt", erinnerte sich Jung, der vor seiner Politikerlaufbahn Lehrer am Evangelischen Gymnasium in Siegen war und in Leipzig das Evangelische Schulzentrum geleitet hatte. Einen seiner Auftritte habe er im Stück "Der eingebildete Kranke" von Molière (1622 bis 1673) hingelegt, "in der Fassung von Hans Magnus Enzensberger". Auch die Tragödie "Romeo und Julia" von William Shakespeare (1564 bis 1616) habe damals zu seinem Repertoire gehört.
In der Familie Jung zeigte sich das schauspielerische Talent bisher bei dem ältesten seiner vier Kinder, seiner Tochter Alissa. Die 30-Jährige wurde vor allem durch ihre Hauptrolle in der Telenovela "Schmetterlinge im Bauch" bekannt, die von 2006 an ausgestrahlt worden war. Freilich hatte sie 2004 auch eine Rolle bei "Soko Leipzig" übernommen, in der ihr Vater nun, acht Jahre später, ebenfalls mitspielt.
Neun Sätze musste der Politiker für die Folge mit dem Arbeitstitel "Leipzig kloppt" aufsagen, "sie perlten mir nur so von den Lippen". Die Episode wird in der 231. Folge der Krimiserie zu sehen ein, die seit 2001 ausgestrahlt wird und der erste Ableger der ZDF-Krimireihe "Soko 5113" war. Inzwischen hat das ZDF weitere Serien mit Sonderkommissionen im Programm, die ebenfalls Städtenamen im Titel tragen und ebenso jeweils 45 Minuten dauern. In der Folge mit Jung wird es um Gewalt zwischen Jugendlichen gehen, die sich bei einer Internet-Community zu einer Prügelattacke verabreden. Jung besucht als Leipzigs Oberbürgermeister ein schwer verletztes Gewaltopfer im Krankenhaus. Für die Dreharbeiten wurde dazu die zweite Etage des früheren Bettenhauses der Leipziger Universitätsklinik ausgesucht, das seit mehreren Jahren leer steht.
"Ich war überrascht, wie viele Einstellungen es braucht, bis die Szene im Kasten war", erzählte Jung danach. Für die Szene, die in der fertigen Folge etwa zwei Minuten dauern wird, war der Oberbürgermeister rund zwei Stunden beschäftigt. "Es gibt durchaus Ähnlichkeiten zwischen der Schauspielerei und der Politik", schätzte Jung ein, der seit 2006, nachdem sein Vorgänger Wolfgang Tiefensee (SPD) in die Bundespolitik gewechselt war, Oberbürgermeister ist und im kommenden Jahr wiedergewählt werden möchte. "In beiden Bereichen spielt man Rollen und muss überzeugen", sagte der Kommunalpolitiker, "Politiker müssen authentisch bleiben, das gilt auch für Schauspieler." Weitere Ausflüge in die Schauspielerei plane er nicht, dazu habe er "schon genug zu tun". Sein letzter Satz als Oberbürgermeister bei "Soko Leipzig" lautete übrigens: "Ja, ich geh dann mal, und Sie machen hier Ihre Arbeit."
dapd
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