20.12.2011, 12:26 Uhr | dapd
Die Löhne und Gehälter des zahlungsunfähigen Solarmodulherstellers Solon sind über das Insolvenzgeld für drei Monate bis Ende Februar 2012 gesichert. Die Geschäfte der Solon-Gruppe mit weltweit knapp 800 Mitarbeitern würden ohne Einschränkungen weitergeführt, erklärte Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg am Mittwoch. Die Betriebsratsvorsitzende Sabine Lutze sagte der Nachrichtenagentur dapd, die Mitarbeiter glaubten an eine Rettung der Berliner Firma.
"Es besteht immer noch die Möglichkeit, dass die Investoren einsteigen und wir die Insolvenz so überstehen", sagte Lutze. Die Solar-Branche in Deutschland steht unter erheblichem und weiter wachsendem Preisdruck vor allem asiatischer Wettbewerber. In der Folge mussten in den vergangenen Monaten weltweit bereits eine ganze Reihe von Branchen-Unternehmen Insolvenz anmelden.
"Wir werden die nächsten Tage nutzen, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren", sagte Wienberg. "Anschließend werden wir die finanzielle Situation des Unternehmens umfassend analysieren und die zur Verfügung stehenden Optionen prüfen."
Bis vor kurzem sei Solon mit zwei interessierten Investoren in Verhandlungen gewesen, sagte eine Firmensprecherin. Diese Gespräche seien jedoch vorerst gescheitert. Jetzt muss Insolvenzverwalter Wienberg die Geldgeber überzeugen. Der Berliner Rechtsanwalt hatte in der Vergangenheit bereits Investoren für andere zahlungsunfähige Mittelständler gefunden.
Deutschlandweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit 530 Mitarbeiter, 510 davon am Standort Berlin. Auch für die Tochtergesellschaften Solon Photovoltaik und Solon Investments in Berlin sowie die Greifswalder Solon Nord hat die Gruppe Insolvenz beantragt.
Bis Ende September hat der Konzern in diesem Jahr bei einem Umsatz von 358,2 Millionen Euro bereits einen Verlust von 208,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Zu diesem Zeitpunkt wies Solon im Zwischenbericht eine Nettoverschuldung von 396 Millionen Euro aus.
Solon-Aktien büßten an der Börse fast die Hälfte ihres Wertes ein. Der Kurs des Konkurrenten Solarworld, eine der größten deutschen Solarfirmen, legte hingegen um rund sechs Prozent zu.
Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, bedauerte die Solon-Insolvenz und forderte Planungssicherheit für die Branche. "Was die Solarindustrie momentan am wenigsten gebrauchen kann, ist eine erneute Förderdebatte", sagte er mit Blick auf den Vorschlag von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), den Ausbau neuer Photovoltaik-Anlagen auf 1.000 Megawatt jährlich zu begrenzen.
Auch der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ulrich Kelber kritisierte den Minister. Seit Wochen warte seine Fraktion auf eine Antwort Röslers, ob er sich einer Wettbewerbsprüfung chinesischer Solarfirmen anschließe. "Die Verdachtsmomente sind groß, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung die deutsche Solarwirtschaft durch Untätigkeit in die Insolvenz führt", sagte er.
Zwtl.: Experte rechnet mit weiteren Pleiten
Volker Quaschning, Professor für regenerative Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, rechnet nach der Solon-Insolvenz mit weiteren Pleiten in der Branche. "Im nächsten Jahr wird es ganz klar zu einer Marktbereinigung kommen", sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Laut Quaschning gibt es kaum eine Branche mit höherem Preisverfall.
Langfristig ist der Experte jedoch optimistisch. "In etwa fünf Jahren erwarten wir einen konsolidierten Markt, zwar mit weniger, dafür aber mit größeren Wettbewerbern", sagte Quaschning.
dapd
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