11.11.2010, 17:14 Uhr | DAPD
Stuttgart (dapd-bwb-bwb). Die SPD-Landtagsfraktion will Bachelorabsolventen per Rechtsanspruch den Zugang zu Masterstudiengängen sicherstellen. Der Rechtsanspruch solle für alle Bachelorabsolventen gelten, die ihr Bachelorstudium mit mindestens der Note 4,0 bestanden hätten, sagten SPD-Landesparteichef und Spitzenkandidat Nils Schmid und SPD-Bildungsexperte Johannes Stober am Donnerstag in Stuttgart.
Es zeichne sich ab, dass Bachelorabsolventen mit ihrem Abschluss weniger Chancen auf einen Arbeitsplatz hätten, da einigen Firmen dies als Qualifizierung nicht genüge, hieß es zur Begründung. Das Wissenschaftsministerium kritisierte den Vorschlag. Aus der Landesrektorenkonferenz wurden Zweifel an der Umsetzbarkeit laut.
Der Bildungsexperte der Arbeitgeber Baden-Württemberg, Stefan Küpper, bestritt, dass der Bachelor von der Wirtschaft nicht als vollwertiger Abschluss anerkannt werde und verwies auf die Initiative "Bachelor Welcome". Im Oktober hatten sich mehrere große Unternehmen zu dem neuen Abschlusssystem bekannt. Die meisten seriösen Studien bestätigten diese Haltung. Ein Sprecher der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen in Baden-Württemberg sagte, der Bachelor sei an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften der häufigste Abschluss. Die Absolventen kämen damit auf dem Arbeitsmarkt genauso gut unter wie mit den alten Abschlüssen.
Die SPD-Politiker verwiesen in ihrer Argumentation auf eine Untersuchung des Instituts für Managementkompetenz an der Universität des Saarlandes, wonach große deutsche Unternehmen Bachelorabsolventen offenbar nur geringe berufliche Perspektiven einräumen.
Die Bachelor-Abschlüsse würden vielfach als zu kurz bewertet, um Praxiserfahrung anzubieten und deshalb als nicht qualifizierend. "Wenn die Bachelorstudiengänge nicht funktionieren, muss man sich fragen, ob die einseitige Konzentration auf den Bachelor als Abschluss zur Berufsqualifikation ausreicht", sagte Schmid. Der Bachelor dürfe keine "Sackgasse" werden.
Die Hochschulen müssten sicherstellen, dass ein Bachelor notfalls mit acht Semestern die notwendige Praxiserfahrung sicherstelle, forderte Schmid. Die Universitäten hätten mittlerweile die Spielräume hierzu. Der Rechtsanspruch auf den Masterstudiengang solle aber den Studenten die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, ob sie weiter studieren. Unabhängig von dem Gesetzentwurf, der im November ins Plenum eingebracht werden soll, müssten die Unternehmen, die immer Kurzstudiengänge gefordert hätten, in die Pflicht genommen werden. Dringend notwendig sei ein Dialog zwischen Firmen und Hochschulen darüber, was berufsqualifizierend sei.
Die SPD-Fraktion erwartet aufgrund der notwendigen Personalaufstockung an den Hochschulen Mehrausgaben im dreistelligen Millionenbereich. Im Landeshaushalt müsse zugunsten der Bildung dafür umgeschichtet werden, forderte Schmid.
Aus Kreisen der Landesrektorenkonferenz, die sich am Donnerstag nicht offiziell äußern wollte, hieß es, für einen Rechtsanspruch auf einen Masterstudiengang fehlten an den Hochschulen die Kapazitäten. Zudem sei es schwierig, einen Rechtsanspruch praktisch durchzusetzen. Unklar sei etwa, wie mit Bewerbern mit Bestnoten aus anderen Universitäten dann umgegangen werden solle.
Wissenschaftsstaatssekretär Dietrich Birk (CDU) widersprach der SPD: Der Bachelor ist keine Sackgasse, sondern eröffnet gute Perspektiven am Arbeitsmarkt. "Es ist nicht akzeptabel, die Studierenden derart zu verunsichern", sagte er.
An den baden-württembergischen Hochschulen seien genügend Masterstudienplätze vorhanden. Bei steigendem Bedarf werde die Landesregierung zusätzliche Kapazitäten in diesem Bereich schaffen. "Wir wollen allen qualifizierten Bachelor-Absolventen den Zugang zum Masterstudium ermöglichen. Einen Automatismus beim Übergang vom Bachelor in den Master lehnen wir aber ab", sagte er. Der Zugang zum Masterstudium setze neben dem Bachelor Abschluss zusätzliche Qualifikationen voraus, die von den Hochschulen festgelegt würden.
Arbeitgeber-Bildungsexperte Küpper betonte, an den landeseigenen Hochschulen würden Bachelor mit hoher Qualität angeboten, die in weiten Teilen mit dem Diplomen vergleichbar seien. "Die Diskussion geht an der Sache vorbei und konterkariert den Bolognaprozess", sagte er. Von Übergangsansprüchen und -quoten halte man nichts.
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