14.06.2011, 09:47 Uhr | dapd
Hannover (dapd-nrd). Sprossen aus Niedersachsen gelten als Auslöser für die EHEC-Erkrankungen in Deutschland. Es gebe eine lückenlose Indizienkette hinsichtlich der Keimlinge aus Bienenbüttel, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) am Freitag in Hannover. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, erklärte in Berlin: "Es sind die Sprossen." In Nordrhein-Westfalen gelang unterdessen erstmals der labortechnische Nachweis des gefährlichen EHEC-Erregers auf Sprossen. Die Warnung vor Gurken, Tomaten und Blattsalat wurde aufgehoben.
Bei dem Nachweis handelt es sich nach Angaben des NRW-Verbraucherschutzministers Johannes Remmel (Grüne) um den aggressiven Serotyp O104. Allerdings war die Packung geöffnet und befand sich bereits in der Mülltonne eines Haushalts im Rhein-Sieg-Kreis. Zwei der drei in diesem Haushalt lebenden Familienmitglieder haben Sprossen verzehrt und sind Mitte Mai an den EHEC-Bakterien erkrankt.
Der Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel wurde inzwischen komplett gesperrt. Da die neuen Erkenntnisse inzwischen "wissenschaftlich valide" seien, habe man nun auch eine Rechtsgrundlage, um den Vertrieb anderer Gemüsesorten zu verbieten, hieß es aus dem niedersächsischen Agrarministerium. Bisher galt das Verkaufsverbot nur für Sprossen. Der Betreiber habe aber bereits freiwillig seit Sonntag keine anderen Produkte mehr in Umlauf gebracht, sagte Lindemann.
Der Landwirtschaftsminister zeigte sich am Freitag "erleichtert" darüber, dass der "Ausgang der Krankheit nun offenbar einvernehmlich mit allen Instituten und Beteiligten definiert ist." Bei der frühen Warnung vor Sprossen sei es ihm nicht darum gegangen, "den Schlaumeier zu spielen". Vorwürfe, er habe sein eigenes Ego vor die Interessen des Betriebs in Bienenbüttel gestellt, wies er zurück.
Er spüre nun auch keine Triumphgefühle, sagte Lindemann. Letztendlich sei es ihm bei der Warnung nur darum gegangen, die Erkenntnisse möglichst früh an die Verbraucher weiterzugeben.
Zu dem Fund in Nordrhein-Westfalen hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen: "Das zeigt uns, dass wir mit all unseren Maßnahmen richtig lagen und die Verzehrwarnung vor Sprossen weiterhin richtig ist", sagte Sprecher Gert Hahne.
Lindemann erwartete unterdessen, dass die Neuinfektionen nun weiter zurückgehen werden, weil die Quelle nichts mehr nachliefert. Allerdings sei eine Übertragung von Mensch zu Mensch weiterhin möglich.
In Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurden am Freitag drei neue Todesfälle gemeldet. Insgesamt stieg damit die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit EHEC auf 32. In Hamburg liegt nach Angaben der Gesundheitsbehörde noch ein weiterer EHEC-Verdachtsfall bei einem Toten vor.
Auch die Zahl der EHEC-Erkrankungen und -Verdachtsfälle stieg im Norden weiter an. In Hamburg wurden 987 EHEC-Erkrankungen und Verdachtsfälle gemeldet, in Niedersachsen waren es 606 Fälle, in Bremen 65 und in Schleswig-Holstein 765. Zwar gebe es weiterhin ein dynamisches Geschehen, man gehe aber davon aus, dass die Spitze der Erkrankungen am 22. Mai überschritten worden sei, sagte Thomas Spieker, Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums.
Der Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, machte am Freitag klar, dass eine Ansteckung durch normale Hygienemaßnahmen verhindert werden könne.
Bislang ist unklar, wie der Erreger in den Bienenbütteler Betrieb gelangte. Da dies auch über Saatgut geschehen sein könnte, werde generell vor dem Verzehr von Sprossen gewarnt, sagte Lindemann.
Die norddeutschen Gemüsebauern zeigten sich unterdessen erleichtert über die Aufhebung der Warnung vor Salat, Gurken und Tomaten. Es werde aber wohl noch Wochen dauern, bis das Vertrauen der Verbraucher wieder zurückgewonnen werden könne, sagte der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Obst, Gemüse und Blumen in Hamburg, Jens Elvers.
dapd
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