12.01.2011, 12:38 Uhr | DAPD
Hannover (dapd-nrd). Der Dioxin-Skandal weitet sich aus. Bislang waren nur Eier und Hühnerfleisch betroffen. Nun ist in Niedersachsen erstmals auch ein stark erhöhter Dioxin-Wert in Schweinefleisch nachgewiesen worden. 140 Schweine eines Betriebes aus dem Raum Langwedel (Landkreis Verden) müssen deshalb getötet werden. Unklar ist bislang, ob belastetes Schweinefleisch auch in den Handel gelangt ist. Auch zu dem Auslöser der Dioxin-Belastung gibt es weiter keine neuen Erkenntnisse.
Der niedersächsische Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke sagte: "Wir haben alle Betriebe gesperrt, die belastetes Futtermittel empfangen haben. Ich kann sicher sagen, dass belastetes Schweinefleisch nicht in den Handel gelangen wird, und wir können ausschließen, dass dioxinbelastetes Schweinefleisch bereits in den Handel gelangt ist." Der zuständige Veterinär des Landkreises Verden Peter Rojem hatte zuvor nicht ausschließen wollen, dass mit Dioxin belastetes Fleisch auch in den Handel gelangt ist. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers ist diese Aussage vermutlich als reine behördliche Vorsichtsmaßnahme zu verstehen.
Neben dem um 50 Prozent über dem zulässigen Höchstwert gemessenen Dioxin-Wertes des Betriebs in Langwedel wurde bei der Untersuchung von Probeschlachtungen bei einem weiteren niedersächsischen Betrieb eine Belastung im Bereich des Grenzwertes ermittelt. Dieser Betrieb bleibt gesperrt und wird weiter kontrolliert. Das Landwirtschaftsministerium schloss nicht aus, dass auch in den kommenden Tagen weitere Proben mit einem erhöhten Dioxin-Wert in Schweinefleisch auftreten könnten. Rund 100 Schweinemastbetriebe sind alleine noch in Niedersachsen gesperrt. Von jedem Betrieb werde nun einzeln das Fleisch überprüft.
Der betroffene Betrieb im Landkreis Verden gehörte den Angaben zufolge zu den Kunden, die mit Futterfett des Unternehmens Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein beliefert wurden. Das Fett war als Ausgangsprodukt an diverse Futtermittelhersteller geliefert und dort weiterverarbeitet worden. In Eiern und bei Hühnern waren danach erhöhte Dioxin-Werte nachgewiesen worden.
Nach Angaben von Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) ist das schleswig-holsteinische Unternehmen nach jetzigem Ermittlungsstand hauptverantwortlich für den Skandal. Der CDU-Politiker geht derzeit von vorsätzlichem Betrug aus und forderte eine erhebliche Strafe für die Verantwortlichen. "Das ist eine Attacke auf die Gesundheit der Bürger und deshalb höchst kriminell einzustufen", sagte Busemann.
Schleswig-Holsteins Agrarministerin Juliane Rumpf (CDU) vermutet Vorsatz als Ursache des aktuellen Dioxin-Skandals. "Am Beispiel des Unternehmens Harles und Jentzsch mussten wir leider erfahren, dass mit offenbar krimineller Energie gearbeitet wurde", sagte Rumpf am Dienstag in Kiel. Deshalb habe das Ministerium bereits vor Tagen Strafanzeige gegen den Betrieb gestellt. Niedersachsen will nun auch Schadenersatzansprüche gegen den Verursacher prüfen. Schließlich seien dem Land durch die Kontrollen enorme Kosten entstanden, sagte Hahne. Wie hoch diese Forderungen sein könnten, sei aber noch unklar.
Keine neuen Erkenntnisse gibt es derzeit auch zur Dioxin-Quelle. "Es ist ein ungewöhnliches Dioxin-Muster", sagte Rumpf. Den Experten sei es unbekannt. Eine Meldung der Organisation Foodwatch, wonach es sich bei dem Auslöser um Pflanzenschutzmittel handele, könne das Ministerium nicht bestätigen. Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte am Montag erklärt, dass sie sich an den Spekulationen zu der Quelle nicht beteiligen wolle.
Unterdessen sind in Schleswig-Holstein bis auf einen Putenmastbetrieb alle zwischenzeitlich gesperrten Höfe wieder freigegeben worden. In Niedersachsen sind derzeit noch 330 der ursprünglich rund 4.400 Betriebe gesperrt. Die dort produzierten Lebensmittel würden nun auf ihren Dioxin-Gehalt überprüft, sagte Gert Hahne, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Hannover. Sollten die Höchstwerte überschritten werden, müssten die Lebensmittel in dafür geeigneten Verbrennungsanlagen unschädlich gemacht werden.
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