28.02.2011, 14:30 Uhr | dapd
Berlin (dapd). In Deutschland aufwachsende türkische Kinder sollten nach Einschätzung der Bundesregierung mindestens so gut Deutsch wie Türkisch lernen. Diese Einschätzung vertrat ihr Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Er widersprach damit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der am Wochenende auf einer Veranstaltung in Düsseldorf gefordert hatte, türkische Kinder sollten zuerst ihre Muttersprache lernen.
"Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen", hatte der Premier am Sonntagabend vor 11.000 Zuhörern in Düsseldorf gefordert.
Seibert sagte, Erdogans Rede habe aus Sicht der Bundesregierung viel Positives enthalten. Dazu gehörten der unmissverständliche Aufruf zur Integration, die Betonung von Spracherwerb und Bildung, ohne die es in der deutschen Gesellschaft keinen beruflichen Aufstieg gebe.
Aber an vielen deutschen Grundschulen könnten die Lehrer ein Klagelied davon singen, wie schwer es Kinder hätten, die mit unvollständigen oder bruchstückhaften Sprachkenntnissen in die erste Klasse kämen. "Diese Kinder haben einen Nachteil in der Schule, den sie oft erst sehr mühsam oder manchmal gar nicht mehr aufholen", sagte Seibert. "Insofern wäre unsere Überzeugung, dass das Deutschlernen in der Bedeutung dem Türkischlernen zumindest gleichgestellt werden muss."
dapd
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