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Stuttgart 21: Stadt will Protestcamp gegen räumen

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Stadt will Protestcamp gegen "Stuttgart 21" räumen

07.01.2012, 14:06 Uhr

Auch die "S 21"-Gegner sind "froh, wenn es vorbei ist" (Foto: dapd)

Auch die "S 21"-Gegner sind "froh, wenn es vorbei ist" (Foto: dapd)

Im Stuttgarter Schlossgarten campiert seit Monaten der harte Kern der "Stuttgart 21"-Gegner. Sie wollen vor allem die alten Bäume schützen. Über 170 sollen für das Milliardenprojekt der Bahn weichen. Ab Donnerstag darf niemand mehr in den Park. Wann die Polizei räumen wird, ist aber noch unklar.

Zwar gibt es im Protestcamp keine Aktionstrainings für den Fall eines Polizeieinsatzes. Aber man spreche sich schon über mögliche Widerstandsformen ab, berichtet Dorfbewohnerin Anke. "Ich überlege vorher ganz genau, wie ich mich verhalten will", sagt sie. "Um nichts zu machen, was ich später bereue." Was genau sie plant, will Anke nicht verraten. Nur so viel: "Ich werde auf jeden Fall friedlich bleiben." Vor einem brutalen Polizeieinsatz fürchtet sie sich trotzdem. "Ich habe da schon Angst vor, verletzt zu werden."

Tag und Nacht im Protestcamp

Anke ist 27 Jahre alt und ausgebildete Altenpflegerin. Seit neun Monaten verbringt sie Tag und Nacht im Zeltlager, im November vergangenen Jahres hat sie wegen des politischen Engagements ihre Arbeit verloren. Aber sie lächelt nur und sagt: "Es wird Zeit für was Neues." In die Altenpflege möchte sie nicht zurück.

Ihr neues Zuhause ist eine Ansammlung von knapp zwei Dutzend Zelten und wenigen Holzhütten im Park, umgeben von einer Art Stadtmauer aus Transparenten gegen "Stuttgart 21". In der Mitte ist ein mehrere Meter hoher Mast aufgestellt, an ihm weht eine Fahne für den Erhalt des alten Kopfbahnhofs - und darunter auch eine Flagge mit dem Atomkraft-Nein-Danke-Logo. 20 bis 30 Menschen wohnten im Camp, erzählt Anke. "Es ist schon die Gemeinschaft, die das ausmacht."

Dorf ohne Dusche

Das bunt bemalte Tipi-Zelt dient als Gemeinschaftsraum, in dem bei Kälte auch ein Lagerfeuer gemacht wird. Teilweise wird gemeinsam gekocht, manchmal kommen Leute vorbei und spenden etwa einen Sack Kartoffeln, wie Anke berichtet.

Das Leben im Protestcamp ist anstrengend: Für das Feuer muss viel Holz gesammelt werden, zum Duschen und Waschen gehen einige wie Anke nach Hause, andere in das nahe gelegene Haus des Caritas-Hilfswerks. Etwas abgelegen steht ein Dixi-Klo, viele Dorfbewohner nutzen aber auch die Toilette im Hauptbahnhof. Elektrizität gibt es nicht, nur auf dem Dach einer Holzhütte produziert eine kleine Solaranlage Strom für die Beleuchtung in der Hütte.

Froh, wenn es vorbei ist

Die "Stuttgart 21"-Gegner wohnen inmitten der Stadt und doch draußen. Anke berichtet, dass sich auch ihre Kräfte dem Ende zuneigen. Dann sagt sie ganz offen: "Es ist okay, wenn das hier irgendwann rum ist."

Anke ist nicht die Einzige, die so denkt. Auch Parkbesetzer Niko Zahn sagt: "Ich wäre froh, wenn das vorbei ist." Das Leben im Camp sei zwar "eine Zeit lang ganz schön, aber auf Dauer sehr anstrengend". Kampflos aufgeben möchte er das Zeltlager aber nicht. Sollte die Polizei räumen, werde er spontan entscheiden, wie er sich verhalte. Momentan sei er noch "ohne Plan".

Das ist derzeit wohl auch die Polizei. Angekündigt war der Einsatz für den 12. Januar, doch die Bahn hat bislang noch keine Erlaubnis für das Fällen der Bäume. Die Polizei will deswegen vorerst nicht anrücken. Die Parkbesetzer stellen sich trotzdem auf ein Ende des Camps ein. "Ich vermute mal, dass die Stadt das durchsetzen wird, wenn der Park nicht voll ist mit Leuten", sagt Niko Zahn. Sollten mehrere tausende Menschen den Park besetzen, werde die Polizei vermutlich "warten, bis sich das wieder leert" und kurze Zeit später räumen.

Viele der Besetzer können anschließend wieder in ihre richtigen Betten fallen. Auch wenn sich Anke danach sehnt, sagt sie: "Ich werde das Camp vermissen."


Quelle: dpa

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Kommentare (31)

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Thema: "Stuttgart 21: Stadt will Protestcamp gegen räumen"

Schwabe schrieb: am 7. Januar 2012 um 18:11:20
(24) (3) Peinlich
Man schämt sich geradezu für diese Leute. Protest ist recht und gut, aber man soltle wissen, wann man verloren hat.

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Realist schrieb: am 7. Januar 2012 um 18:10:21
(34) (11) Unwürdige Berichterstattung
Die Berichterstattung von t-online wird immer unmöglicher. Die Frau hat ihren Job nicht wegen ihres politischen
Engagement verloren sondern weil sie den Aufgaben ihrem Arbeitgeber gegenüber den Verpflichtungen nicht nachgekommen ist. Was soll außerdem im Vorhinein schon der Hinweis auf einen eventuellen "brutalen Polizeieinsatz"? t-online wird immer einseitiger und niveauloser.
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Wie recht Du hast ! schrieb: am 7. Januar 2012 um 17:30:32
(50) (7) @blablabla !
Über den Bahnhof hätte ja auch nicht abgestimmt werden müssen. Das war ja schon entschieden zu bauen. Nur leider hat es mit
der Trickserei bei den Gegnern über den kostspieligen Umweg nicht geklappt,den Bürger umzustimmen.Dumm gelaufen !
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