14.02.2012, 15:53 Uhr | dapd
In der Kirche herrschen Minusgrade. Durch die bunten Plastik-Fenster fällt nur wenig Sonnenlicht. Christiane und Hannchen halten sich an den Händen. Das Ja-Wort ist gesprochen, die Ringe sind getauscht. Als sie aus der Kirche treten, ist ihnen die Kälte nicht anzumerken. "Es war ja doch ganz schön aufregend", erzählt Christiane. Dabei ist weder die Kirche eine richtige Kirche noch die Zeremonie eine offizielle Hochzeit. Für die beiden Frauen aus Strausberg ist der Valentinstag in diesem Jahr dennoch ein ganz besonderer Tag. Bei der Aktion eines Online-Portals haben sich die 49-jährige Christiane und die 58-jährige Hannchen nach vierjähriger Beziehung symbolisch trauen lassen.
Auf der Internet-Seite des Veranstalters, der sich als Marktplatz zur Vermittlung von Privatunterkünften versteht, konnten Interessierte zuvor die 15-minütigen "Trauungen" für 20 Euro buchen. Insgesamt 22 solcher Hochzeiten sollten am Dienstag in der mobilen Kirche aus Plastik stattfinden. Jedes Paar erhält ein Zertifikat.
Schon am frühen Morgen war die Kirche auf dem Petriplatz aufgebaut worden. Wie eine Hüpfburg mutet das graue Gummi-Gebäude von außen an. Im Innern führt ein roter Teppich zu einem kleinen Altar. Die Stühle für die Hochzeits-Gäste sind mit Luftballon-Herzen geschmückt. "Wir sind richtig froh, dass bisher alles gut geklappt hat", sagt Nikola Günther, Sprecherin des Veranstalters gegen Mittag. "Die ersten Reaktionen sind durchweg positiv."
Vergangene Woche war kurzzeitig unklar, ob die Aktion tatsächlich stattfinden kann. Das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), die ebenfalls eine mobile Plastik-Kirche besitzt, war am Mittwoch vom Vertrag mit dem Internet-Unternehmen zurückgetreten. Die Vereinbarung sei ein Missverständnis gewesen, sagt Franziska Schreiber, Sprecherin der EKM am Dienstag auf dapd-Anfrage. "Uns war nicht bekannt, für welchen Zweck die Kirche vermietet werden sollte. Es ist aber vertraglich vorgesehen, dass sie nur an Gemeinden vergeben werden darf", erläutert Schreiber. "Wir möchten die Kirche nicht für kommerzielle Veranstaltungen zur Verfügung stellen."
Auch die Evangelische Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien kritisiert die Aktion auf dem Petriplatz, der zu ihrem Gemeindegebiet gehört. "Wir sind traurig darüber, dass religiöse Symbole für Werbe-Zwecke missbraucht werden", sagt Anna Poeschel, Pressesprecherin der Gemeinde. Der Veranstalter organisierte nach der Absage der EKM eine neue Kirche aus England. Nikola Günther ist erleichtert, dass die Veranstaltung nun doch stattfinden kann. "Es soll einfach ein schöner Tag für die Verliebten werden, die sich bei uns symbolisch trauen lassen. Wir möchten uns keinesfalls über die Ehe lustig machen", betont Günther. Im Gegenteil hätten die Mini-Hochzeiten durchaus einen ernsthaften Hintergrund, denn viele der Paare seien bereits verheiratet oder planten ihr Eheversprechen.
Christiane und Hannchen freuen sich ebenfalls, dass ihre Symbol-Trauung nicht ausfallen muss. "Das Geld reicht einfach nicht aus für eine richtige Hochzeit, deshalb ist das hier ein schöner Ersatz", erzählt Hannchen. Sie hatte den Termin schon vor zwei Wochen gebucht. Erst am Valtentinstag-Morgen hat sie ihrer Lebensgefährtin den Heiratsantrag gemacht. "Am Frühstückstisch hat sie mich gefragt", sagt Christiane und lacht. "Das war eine tolle Überraschung." Nach der "Trauung" steht das Paar gemeinsam mit der Familie vor der Kirche, in der bereits die nächste Zeremonie begonnen hat. Christiane ist immer noch begeistert und sagt: "Es war richtig schön".
dapd
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