09.03.2011, 08:38 Uhr | dapd
Leipzig/Dresden (dapd-lsc). Im bundesweiten Tarifstreit des öffentlichen Dienstes haben sich Tausende sächsische Lehrer an einem Warnstreik beteiligt. Nach Angaben der Bildungsgewerkschaft GEW legten am Dienstag bis zu 20.000 Pädagogen die Arbeit den gesamten Tag nieder. Viele von ihnen forderten bei einer zentralen Protestkundgebung vor dem sächsischen Finanzministerium in Dresden eine bessere Bezahlung und die Einstellung junger Kollegen. In rund 75 Prozent aller öffentlichen Schulen fiel laut sächsischem Lehrerverband (SLV) der Unterricht größtenteils aus.
Die GEW-Landesvorsitzende Sabine Gerold bekräftigte auf der Kundgebung die Notwendigkeit der aktuellen Proteste. Das Land Sachsen habe für seine Lehrer nie irgendetwas freiwillig hergegeben. "Deshalb sind die Warnstreiks erforderlich." SLV-Chef Jens Weichelt sagte, Sachsens Schulen seien zwar beim PISA-Test Spitze. Doch die meisten sächsischen Lehrer würden schlechter bezahlt als ihre Kollegen in Westdeutschland. "Das ist eine Geringschätzung der Beschäftigten", sagte Weichelt. Sollte das Verhandlungsergebnis nicht zufriedenstellend ausfallen, werde es unbefristete Streiks geben.
Die Lehrer verlangen eine Gehaltserhöhung von 50 Euro pro Monat plus drei Prozent. Daneben geht es ihnen aber vor allem um eine verbindliche, bundesweit einheitliche Eingruppierung in Lohngruppen. Die Arbeitgeber lehnen die Forderungen bislang ab. In Sachsen geht es den Gewerkschaften außerdem um die Neueinstellung junger Lehrer. Von den knapp 35.000 Lehrern im Freistaat ist ein Großteil älter als 50 Jahre. Am Mittwoch (9. März) sollen die Tarifverhandlungen in Potsdam fortgesetzt werden. Bislang haben die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt.
Finanzminister Georg Unland (CDU) stellte sich am Dienstag den Demonstranten und mahnte diese vor der bevorstehenden nächsten Verhandlungsrunde zu Besonnenheit und Realismus. Er verwies auf die Folgen der Wirtschaftskrise, die noch immer nicht überwunden seien. Berücksichtigt werden müsse auch die angespannte Situation der öffentlichen Haushalte. Unland erinnerte zudem daran, dass die Stellen im öffentlichen Dienst im Unterschied zur Privatwirtschaft "krisenfest" seien. Der Minister sitzt für die Arbeitgeber mit am Verhandlungstisch.
Die Demonstranten reagierten mit Pfiffen und Buhrufen auf die Ausführungen Unlands. GEW-Chefin Gerold warf Unland vor, in seiner Rede nicht auf die Anliegen der Lehrer eingegangen zu sein und "maßlos enttäuscht" zu haben.
Wegen des bislang größten Warnstreiks der Lehrer in Sachsen im aktuellen Tarifkonflikt waren die meisten Schulen des Landes geschlossen. Eine Notbetreuung wurde aber eingerichtet. Bereits in der Vorwoche hatte es Warnstreiks gegeben, allerdings waren da nur die drei größten Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz betroffen.
dapd
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