08.02.2012, 15:03 Uhr | dapd
Thüringer Hausbesitzer können nach Ansicht von Wirtschaftsminister Matthias Machnig noch deutlich bei den Kosten für Heizung und Warmwasser sparen. Zwar liege der Sanierungsstand der rund 518.000 Wohnhäuser über dem Bundesdurchschnitt, doch gebe es weiter erhebliches Potenzial, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Erfurt bei der Vorstellung einer Studie. In diesem Zusammenhang kritisierte der Minister die auf Bundesebene geplante Reduzierung des Gebäudesanierungsprogramms scharf.
Laut Studie liegt der Energieverbrauch in den 87.000 Mehrfamilienhäusern im Schnitt bei 115 Kilowattstunden pro Quadratmeter und damit fast viermal höher als der sogenannte Niedrigenergiestandard. In Einfamilienhäusern würden 170 Kilowattstunden verbraucht - rund sechsmal mehr als der technisch mögliche Standard. "Wir brauchen das Vier-Liter-Haus." Tatsächlich liege der Energieverbrauch im Schnitt jedoch umgerechnet bei etwa 12 bis 13 Liter Öl.
Um den Sanierungsbedarf zu verdeutlichen, verweist die Studie darauf, dass knapp acht von zehn Ein- und Zweifamilienhäusern vor 1979 gebaut wurden. In drei von vier Wohnhäusern seien etwa die Heizkessel mindestens elf Jahre alt.
Für Machnig ist die Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien die eigentliche Herausforderung der Energiewende. Dazu plädierte er für eine Doppelstrategie aus mehr Energieeffizienz und der Nutzung der regenerativen Energien. Dabei sollen die Stadtwerke stärker eingebunden werden. Zudem regte der Ressortchef an, die Attraktivität von Fernwärme zu erhöhen.
In einem zweiten Teil wird sich die Studie mit dem Zustand öffentlicher Gebäude befassen. Liegt dieser vor, will Machnig über weitere Schritte entscheiden. Zuvor sollen auch die anderen Ressorts die Studienergebnisse prüfen.
Mit Blick auf die Verhandlungen im Vermittlungsausschuss des Bundesrats kritisierte der Minister die Pläne für eine Reduzierung des Gebäudesanierungsprogramms scharf. So solle das bisherige Volumen von deutlich über zwei Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro reduziert werden. Darüber hinaus sollen von der Summe nur 900 Millionen Euro für die energetische Sanierungsförderung bereitgestellt werden. Der Rest ergebe sich durch Steuervorteile, von denen vor allem Gutverdiener profitierten. Doch die Haussanierung habe auch eine soziale Komponente, sagte Machnig mit Blick auf Geringverdiener. Zudem fielen Steuervorteile zumeist zulasten der Länder aus.
dapd
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