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Transrapid auf dem Abstellgleis

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Transrapid auf dem Abstellgleis

07.03.2011, 09:43 Uhr | dapd

Osnabrück (dapd). Eine Jahrzehnte lange Entwicklungszeit, Kosten in Milliardenhöhe und trotzdem keine Zukunft? Der Transrapid ist nach wie vor ein Ladenhüter. Konkretes Interesse an dem einstigen Vorzeigeprojekt deutscher Ingenieurskunst ist bislang nicht auszumachen - weder im In- noch im Ausland. Auch die Zukunft der Teststrecke im emsländischen Lathen ist völlig offen.

Immer wieder gibt es Spekulationen über angebliches Interesse an der Magnetschwebebahn, in deren Entwicklung und Erprobung laut Bundesverkehrsministerium 1,5 Milliarden Euro flossen. Die beiden an der Entwicklung beteiligten Unternehmen Thyssen Krupp und Siemens verlautbaren aber unisono, dass derzeit keine konkreten Projekte geplant seien.

Damit bleibt die Strecke im chinesischen Schanghai die einzige Transrapid-Verbindung für Publikumsverkehr. Denn auf der Teststrecke im Emsland dürfen seit der Katastrophe von 2006 mit 23 Toten keine Besucher mehr fahren. Die Industrie glaubt aber nicht, dass der Unfall, der ab Donnerstag (3. März) erneut Gegenstand eines Verfahrens vor dem Osnabrücker Landgericht sein wird, der Grund für das fehlende Interesse ist.

Bei dem Prozess müssen sich zwei Mitarbeiter der Transrapid-Versuchsanlage in Lathen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht verantworten. Beide galten bislang als verhandlungsunfähig.

Am 22. September 2006 war der Test-Transrapid, in dem sich eine Besuchergruppe befand, mit mehr als 170 Kilometern pro Stunde in einen auf der Strecke abgestellten 40 Tonnen schweren Werkstattwagen gerast. Bei dem Unfall kamen 20 Besucher und drei Betriebsangehörige ums Leben, weitere elf Personen wurden verletzt. Mit einer aktivierten Fahrwegsperre hätte sich das Unglück nach Einschätzung von Gutachtern verhindern lassen

Dieser Unfall ist aber auch für Verkehrsexperte Thomas Siefer von der Universität Braunschweig nicht die Ursache für das fehlende Interesse am Transrapid: So sei die Beschleunigung neuer ICE-Züge kaum schwächer als bei der Magnetbahntechnik. Und mangels geeigneter Weichentechnik könne kein Streckennetz aufgebaut werden, sondern nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, sagt Siefer.

So war es auch in München geplant. Doch das bislang einzige im Inland ernsthaft diskutierte Projekt wurde 2008 nach einer Kostenexplosion verworfen. Die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen sollte mit 3,4 Milliarden Euro fast doppelt so viel kosten, wie ursprünglich kalkuliert.

Im Emsland absolviere die neueste Generation der Magnetbahn, der TR09, nur noch Testfahrten, sagt die Sprecherin der Betreibergesellschaft der Teststrecke, Monika Amler. Was aus den einst bis zu 70 Mitarbeitern der Gesellschaft und aus der Idee wird, ein Kompetenzzentrum für Elektromobilität in Lathen zu entwickeln, dazu wollte sich Amler nicht äußern. Das Bundesverkehrsministerium verweist bei Anfragen auf die noch ausstehende Entscheidung des Finanzministers.

Denn der Landkreis Emsland fordert vom Bund Gelder für den Aufbau eines solchen Zentrums sowie eine Garantie für die Fortsetzung des Betriebs der Teststrecke für weitere zwei Jahre. Im Haushaltsbeschluss des Bundestags ist nach Angaben des Landkreises aber nur ein Betrag in Höhe von knapp sechs Millionen Euro eingeplant: zur Deckung der Betriebskosten und Vorbereitung des Rückbaus der Anlage.

Aus Sicht der Industrie ist die Teststrecke verzichtbar. Bei Thyssen Krupp heißt es, der Transrapid sei bis zur Marktreife entwickelt. Und auch Siemens vertritt schon länger den Standpunkt: "Für neue Entwicklungen brauchen wir die Teststrecke nicht", wie ein Konzernsprecher betont. Deshalb wolle man sich vonseiten der Industrie auch nicht mehr an den Kosten für die Teststrecke beteiligen.

Sollte tatsächlich noch ein Käufer Interesse an der Magnetbahn bekunden, müsse ohnehin vor Ort getestet werden. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. Der Siemens-Sprecher drückt es so aus: "Wir harren der Dinge, die da kommen."

Ganz aufgeben will man im Bundesverkehrsministerium aber nicht. Nach Aussage einer Sprecherin hat Staatssekretär Rainer Bomba die Transrapidpläne auf Auslandsreisen "als möglichen Exportartikel immer im Gepäck". Doch einen erfolgreichen Abschluss hat Bomba von seinen Reisen bislang nicht mit nach Hause gebracht.


dapd  

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