11.02.2012, 16:19 Uhr | dapd
Fasziniert schaut Klaus Rühling am Samstag am Ahlbecker Strand aufs Meer. Soweit sein Blick reicht, eine einzige Wüste bizarr übereinander getürmter Eisschollen. Kein offenes Wasser in Sicht, das traditionelle Eisbaden müsse dieses Mal wohl ausfallen, sagt der 62-jährige Ahlbecker. Noch am Abend zuvor habe er sich ein Loch in das 20 Zentimeter dicke Eis geschlagen, doch über Nacht sei alles wieder eingefroren. "Dass die Ostsee so schnell und so sehr zufriert, das gabs seit 30 Jahren nicht mehr."
Statt eines Eisbades im Meer mussten sich die mehr als 100 Eisbader am Samstag zum traditionellen Winterbadespektakel auf der Insel Usedom mit einem kurzen Bad im Schnee auf Eisschollen begnügen. Nur ganz wenige von ihnen tauchten doch noch kurz in ein schnell ins Eis gehacktes Loch.
Wie in den Jahren zuvor kamen abgehärtete Bader aus 14 ostdeutschen Vereinen zum gemeinsamen winterlichen Vergnügen an den Strand. Die Fangemeinde reichte wieder von den Wandlitzer Pinguinen, den Brandenburger Eisbären bis zu den Ueckermünder Isbooders, vom fünfjährigen Simon Erdmann aus Greifswald bis zur 80-jährigen Ursula Moskau aus Plauen.
Das Strandspektakel sei einmalig, schwärmt Werner Grabarek, Erzieher aus Greifswald, der sich gleich mit seinen sieben- bis zehnjährigen Kindern Konrad, Sarah und Thekla in das eisige Vergnügen stürzte. "Wir gehen im Winter regelmäßig in der Dänischen Wiek baden und auch einmal wöchentlich in die Sauna", sagt der 36-Jährige. Das härte ab: "Ich weiß gar nicht mehr, wann die Lütten zuletzt mal krank waren."
Dieses Mal erlebten die fast 3.000 Zuschauer bei Sonnenschein und minus sieben Grad, dass die Extremsportler nicht nur bade- sondern auch fußballverrückt sind. Denn mit der 18. Auflage des Usedomer Badespektakels habe man auf die diesjährige Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine einstimmen wollen, sagte die amtierende Kurdirektorin der Kaiserbäder, Karin Lehmann. Entsprechend eingekleidet marschierten die Eisbader über den Strand, in Spieler- und Schiedsrichterkostümen in den Farben ihrer Vereine und der deutschen Nationalmannschaft, mit Bällen, Trillerpfeifen und Vuvuzelas, den südafrikanischen Blasinstrumenten.
Das ZDF werde im Juni vom Heringsdorfer Strand aus berichten, sagt Lehmann. Auf einer riesigen Bühne, deren Aufbau schon im März beginnen soll, werden die Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und Ex-Torwart Oliver Kahn die Spiele kommentieren. Insgesamt 1.000 Zuschauer sollen die Live-Übertragungen auf einem großen LED-Monitor in Strandkörben und -stühlen verfolgen können.
"Wir planen ein großes deutsch-polnisches Fußballfest", bestätigt ZDF-Sprecher Peter Hill, der auch Fans aus dem benachbarten Swinemünde erwartet. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Das etwa 50 Mitarbeiter starke ZDF-Team habe schon Unterkünfte in Bansiner Hotels gebucht und mehrere Arbeitsräume angemietet. Vom Usedomer Sendezentrum würden vier Wochen lang auch weitere Sendeformate ausgestrahlt, die am Strand von Heringsdorf werden sollen. Insgesamt werde der Sender wohl fast eine Million Euro investieren, sagt Hill.
dapd
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