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Verletzte aus Libyen in bayerischen Krankenbetten

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Verletzte aus Libyen in bayerischen Krankenbetten

14.02.2012, 13:19 Uhr | dapd

Die rot-schwarz-grüne Flagge mit weißem Halbmond hinter seinem Krankenbett im Würzburger Juliusspital war sein Markenzeichen. Der Libyer Ahmed Ben Naama ist einer von Tausenden Rebellen, die im Kampf gegen die Diktatur von Muammar al-Gaddafi verletzt wurden. Bis vor wenigen Tagen war er drei Monate im Juliusspital zur Behandlung seiner Schussverletzungen an Schulter und Lunge.

Der 31-Jährige war eigentlich leitender Mitarbeiter einer Ölraffinierie, schloss sich aber bei Beginn der Revolution den Rebellen an und fungierte dort als Ausbilder. Um dies zu illustrieren, nimmt er sein Smartphone aus der Tasche und zeigt ein Video von CNN, in dem er in der Wüste interviewt wird.

An den Tag seiner Verwundung - den 15. September - erinnert er sich noch ganz genau. Er war in Tripolis auf Patrouille mit einem Pickup samt aufgesetztem Maschinengewehr, als ihn die Kugeln der Gaddafi-treuen Armee trafen. "Sie haben mich von vorne erwischt", berichtet er. In seiner Heimat selbst sei er nur "notdürftig" behandelt worden und darum nach Tunesien geflüchtet, wo ihm die Kugeln entfernt wurden.

"Die Krankenhäuser waren voll mit Verletzten", beschreibt Ahmed Ben Naama die Lage in Tunesien. Dort sei ihm empfohlen worden, sich in Griechenland, Tschechien oder Frankreich behandeln zu lassen. Doch sein Entschluss stand fest: "Ich möchte nach Deutschland." Einen Monat wartete er in einem Hotel in Tunis auf die Behandlungszusage. Dass er nach Würzburg kommen würde, habe er erst am Flughafen erfahren. Wo das liegt, habe er vorher nicht gewusst, Bayern nur im Zusammenhang mit dem deutschen Rekordmeister FC Bayern München gekannt.

Rund 150 libysche Bürgerkriegsopfer in 30 bis 40 Kliniken wurden bislang in Bayern behandelt, wie Michael Blasius, Sprecher des vom früheren Übergangsrat beauftragten Münchner Medizindienstleisters almeda, berichtet. "Das geht von Bamberg bis Murnau und von Bad Griesbach bis Augsburg", erläutert er. Zumeist mussten Verletzungen behandelt werden, die durch Schüsse oder Granatsplitter verursacht wurden. Die ersten Patienten seien schon Ende Oktober eingeflogen worden über eine Luftbrücke mit täglich fünf bis sechs Maschinen. Die Behandlungskosten wurden laut Blasius von bisher gesperrten Konten der libyschen Regierung gedeckt.

Zur Versorgung zählt auch die persönliche Fürsprache, die für Ben Naama und andere libysche Bürgerkriegsopfer in Würzburg Mohamed Jaziri übernahm. Der 66 Jahre alte Tunesier hörte in der Würzburger Moschee einen Aufruf, sich um die Verletzten in den Kliniken zu kümmern und zu dolmetschen. Er beschloss, sich zu engagieren. Wie viele Stunden er dabei geopfert hat, weiß er nicht: "Wenn ich Zeit hatte, habe ich sie besucht und einen Espresso mit ihnen getrunken. Ich habe viel Zeit und mache das gerne."

Neben einer Kaffeemaschine organisierte er unter anderem auch einen Gebetsteppich mit eingebautem Kompass, damit die Patienten auch in Richtung Mekka beten konnten. Er selbst umschreibt seine Aufgabe mit den Worten "Seelentröster und Dolmetscher". "Wenn ich schnell gebraucht wurde, habe ich auch am Telefon übersetzt", fügt er hinzu.

Der 31-Jährige Ben Naama ist froh, Jaziri zu haben. "Ich kann mich hier wie zu Hause fühlen und bin glücklich, wenn er kommt", sagt der Libyer. Probleme mit der libyschen Fahne hinter seinem Bett habe es übrigens keine gegeben: "Viele wissen ja gar nicht, dass es die libysche Flagge ist."


dapd  

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