05.08.2011, 13:14 Uhr | dapd
Halle (dapd-lsa). Klaus Lellé, Vorstandsvorsitzender der Halloren Schokoladenfabrik AG Halle, sitzt in seinem Büro. Seine Tür steht offen. "Sie steht immer offen", sagt der 51-Jährige und fügt hinzu: "Solange sie offen ist, kann jeder rein kommen, und ich nehme mich der Probleme der Mitarbeiter an."
Seit 1997 ist Lellé Chef der ältesten produzierenden Schokoladenfabrik Deutschlands, die 1804 von dem Bäckermeister Friedrich August Miethe gegründet worden war. "Beruf ist für mich Berufung und nicht ein Job, wo ich allein Geld verdiene", sagt der Manager, dessen Berufsleben vor 34 Jahren mit einer Lehre als Bankfachwirt und einem Fachstudium begann und ihn zunächst über mehrere Jahre zu Großbanken führte. Später leitete er die Geschäfte bei zwei Nudel- und Teigwarenherstellern - unter anderem in Riesa in Sachsen.
"Aus diesem Unternehmen muss man mehr machen"
Als er das Angebot erhielt, zu Halloren zu gehen, sei er sicher gewesen: "Aus diesem Unternehmen kann und muss man mehr machen", sagt der gebürtige Pfälzer. Er nennt mehrere Gründe, die ihn damals gereizt hätten. Mit 28 Prozent habe das Unternehmen für ostdeutsche Verhältnisse eine hohe Eigenkapitalquote. Außerdem habe der damalige Gesellschafter und Hauptaktionär Paul Morzynski als Visionär bereits Millionen in modernste Technik investiert. Und Lellé hatte die Aussicht, mehr oder weniger alleiniger Chef zu sein.
Seither hat sich viel getan in dem Betrieb. 2001 wurde die Confiserie Dreher aus Bad Reichenhall als 100-prozentige Tochter der Halloren Schokoladenfabrik übernommen, zwei Jahre später ging die Confiserie Chocolaterie Weibler in Cremlingen in der halleschen Schokoladenfabrik auf. 2007 kam der Süßwarenbetrieb an die Börse.
Mitarbeiter sind "Motor des Unternehmens"
Heute beschäftigt die Firmengruppe 530 Mitarbeiter, darunter 47 Lehrlinge. Als Lellé 1997 Geschäftsführer wurde, waren es 65 Beschäftigte. Der Vorstandschef nennt seine Mitarbeiter "Motor des Unternehmens" und spricht von einer Fluktuation, die es gar nicht gebe und die unter einem Prozent liege. Die Leute fühlten sich wohl.
Lellé nennt Zahlen: "Im kommenden Jahr feiern wir 20 Jahre Privatisierung und 60 Jahre Hallorenkugel." Trotz dieser erfolgreichen Geschichte will er lieber in die Zukunft und auf neue Aufgaben schauen.
"Tradition ist nicht alles, sondern muss Motor und Antrieb sein für Innovation und Weiterentwicklung", hatte Lellé in der Vergangenheit mehrfach betont. Heute habe er den Spruch umgewandelt: "Unsere Tradition ist Innovation", sagt er und verweist auf das breite Sortiment, zu dem mehr als 180 Schokoladenprodukte gehören.
Hohe Ansprüche an Beschäftigte
Lellé stellt nicht nur an sich, sondern auch an seine Beschäftigten hohe Ansprüche. Bis zum vorletzten Jahr habe er jeden neuen Lehrling sehen wollen und mit jedem das Gespräch geführt. Er habe den jungen Leuten seine Philosophie darlegen wollen, wonach Beruf eine Berufung sei.
"Wenn ich selbst einstelle, kann ich niemanden die Schuld dafür geben, wenn was nicht funktioniert", sagt Lellé zur Begründung. Mittlerweile würden die Auszubildenden von den jeweiligen Abteilungsleitern eingestellt. "Das gibt mir mehr Zeit, strategisch zu denken", sagt der Unternehmer.
"Vergangenes ist Vergangenes"
Aus seiner Sicht liegt eine der wichtigsten Management-Aufgaben der heutigen Zeit darin, einer gewissen Selbstgefälligkeit entgegenzuwirken. In den vergangenen 15 Jahren hätten alle nur den Erfolg gesehen, die Mitarbeiter sähen das in den Zahlen, und in den Medien werde es auch so berichtet.
Aber: "Vergangenes ist Vergangenes, und wir müssen morgen besser sein, als wir es heute sind", betont Lellé. Rückblickend auf die vergangenen Jahre sagt der 51-Jährige: "Ich habe nichts bereut, und ich würde nichts anders machen."
Oft wird es sehr spät, wenn der Vorstandschef, der mit seiner Familie seit Jahren auf einem Dorf zwischen Halle und Leipzig wohnt, sein Büro verlässt. "Ich arbeite open end." Er komme meist erst zwischen 20.30 und 21.00 Uhr nach Hause.
Die wenige Freizeit, die er hat, will er auch intensiv nutzen. Dazu zählt unter anderem das gemeinsame Abendessen oder Frühstück mit seiner Familie. Während andere Joggen, setzt er sich lieber ans Klavier oder spielt Gitarre. "Das ist der Ausgleich für mich", sagt Lellé.
dapd/sw
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