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Wahlen in Berlin: Zwischen Triumph und Tränen

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Zwischen Triumph und Tränen

18.09.2011, 20:31 Uhr | dapd

Nach den Prognosen und ersten Hochrechnungen lagen am Sonntag auf den Wahl-Partys der Berliner Parteien Triumph und Tränen dicht beieinander. Beste Stimmung herrschte bei der Piratenpartei, der es gelungen ist, sprichwörtlich aus dem Nichts über 8 Prozent Stimmenanteil zu erreichen und in das Abgeordnetenhaus und damit auch erstmals in ein Landesparlament einzuziehen. Durch ein Tal der Tränen hingegen musste die Berliner FDP, sie verlor rund 5,5 Prozent, könnte am Ende mit einer Eins vor dem Komma dastehen und muss jetzt außerparlamentarisch arbeiten.

Rund 1.000 Sozialdemokraten feierten ihren Wahlsieger, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Immer wieder tönte es in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg "Wowi, Wowi". Bei der Prognose um 18.00 Uhr lagen sich die Wahlkämpfer in den Armen. Der Jubel war bei manchen Anhängern allerdings verhalten, da das Ziel "30 Prozent plus x" verfehlt wurde. Wowereit brachte seinen Lebensgefährten Jörn Kubicki mit, um seinen Triumph - den dritten Wahlsieg in Folge - zu feiern. Zwischen beiden auf der Bühne stand bald ein riesiger Teddybär aus Plüsch. Mit kleinen "Wowi-Bären" hatte der Spitzenkandidat um die Wählergunst geworben.

Die CDU feierte als einzige Partei im Abgeordnetenhaus. Bei "Currywurstragout", Bouletten und Mini-Pfannkuchen verfolgten rund 300 Anhänger die Prognose auf der Leinwand. Neben Applaus für die vorhergesagten 23 Prozent für die eigene Partei gab es höhnisches Gelächter für die schlechten Werte der Linken und Rufe des Erstaunens über das heftige Absacken der FDP. Fast schon anerkennend klangen die "Oh"-Rufe, als das erstaunlich gute Ergebnis der Piratenpartei auf dem Bildschirm erschien. Als Spitzenkandidat Frank Henkel den Saal betrat, wurde er mit tosendem Applaus empfangen. "Wir haben an Format, an Zustimmung und an Vertrauen gewonnen", rief er.

Die Grünen wollten sich keine Enttäuschung anmerken lassen. Bei Brezn, Bier und Biolimonade feierten Hunderte Anhänger im Festsaal Kreuzberg lautstark ihren Stimmenzuwachs. 13,1 Prozent hatte die Partei bei der Wahl 2006 eingefahren. Das haben die Grünen nun deutlich gesteigert: 18 Prozent versprach die Prognose. Ein gutes Ergebnis - wären da nicht die ganz großen Erwartungen gewesen. Spitzenkandidatin Renate Künast wollte Nummer Eins werden und ins Rote Rathaus einziehen. Daraus wird nun nichts. Die Wahlpartybesucher trugen es mit Fassung, jubelten eifrig und quittierten das Wahldebakel der FDP mit schadenfreudigem Applaus. Immerhin ist für die Grünen die Rolle als Juniorpartner der SPD drin.

Die Berliner Linke demonstrierte im ehemaligen Ost-Berliner Kino "Kosmos" in der Karl-Marx-Allee Zweckoptimismus. Bei der ersten Prognose, die für die Linke elf Prozent auswies, kam in dem voll besetzten Saal Jubel auf. Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi sagte, das Ergebnis sei nicht so schlecht, wie es zuletzt vorhergesagt wurde. Nach den ersten Hochrechnungen diskutierten Besucher der Wahlparty bei Bier und Prosecco das schlechte Abschneiden, für das sie vor allem die Bundespartei verantwortlich machen. "Wir sind total wütend", sagte eine ältere Dame mit Blick auf Kommunismus- sowie Antisemitismus-Debatten.

Unter den Piraten gab es bei der Prognose im "Ritter Butzke" in Kreuzberg kein Halten mehr. "8,5 Prozent, 8,5 Prozent", schrie ein Piraten-Anhänger fassungslos. Sollte es bei dem Ergebnis bleiben, hätten die Piraten das Abgeordnetenhaus mit 14 Abgeordneten "geentert", wie sie es formulierten. Auch das burgähnliche Äußere des Kreuzberger Clubs passte, denn der Szenekiez gilt als Hochburg der Piraten. Der prall gefüllte Raum, er fasst bis zu 1.400 Menschen, erinnerte mit gedämpften Licht und DJ eher an eine Elektroparty als an eine politische Veranstaltung.

Unerwarteter Jubel brach in der FDP-Parteizentrale in Mitte nach der Prognose aus. "FDP - fast drei Prozent ", riefen einige der rund hundert Gäste und warfen Konfetti in die Menge. Es waren Mitglieder der Spaßpartei "Die Partei", die ihre Schadenfreude über das Wahldebakel der FDP zum Ausdruck brachten. Dutzende Freidemokraten standen empört daneben. Ihre Stimmung war gedrückt. "Wir haben mit einem schlechten Ergebnis gerechnet, aber das es so schlecht ausfällt...", murmeln einige Mitglieder. Von der Parteispitze sprach nicht FDP-Chef Philipp Rösler zu den Gästen, sondern Generalsekretär Christian Lindner. Ein junger Liberaler sagte aufgebracht: "Noch ein Zeichen der Schwäche".


dapd  

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Kommentare (10)

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Thema: "Wahlen in Berlin: Zwischen Triumph und Tränen"

Maddox schrieb: am 19. September 2011 um 07:32:05
(2) (0) Berlinwahl
Es mag sein, dass in der SPD eine andere Mathematik gilt. In RLP hohe Verluste, Verluste in Berlin aber seltsamerweise Wahlsieger.
Seltsame Logik. Wahlsieger sin die die Piraten, Grünen und die CDU. Verlierer sind die Linken und SPD. Diese Reihenfolge ist aus dem Ergebnsi klar ersichtlich. Aber bei dem Thema Macht zählt schon der Erhalt als Sieg. Wie Rot-Grün oder umgekehrt ankommt kann man an der wachsenden Unzufridenheit in RLP un BW erkennen. Hoffentlich schläft Herr Wowereit nicht.
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Elberfahrung schrieb: am 19. September 2011 um 00:50:30
(0) (1) Wahlen in Berlin
Endlich neuer Wind von den Piraten und Absage an die alten Seilschaften. Die SPD soll nur nicht mit den reichen Grünen
gehen, die sind unverschämt teuer und unzuverlässig, siehe Hamburg!!
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Zorro schrieb: am 18. September 2011 um 22:41:45
(3) (0) FDP -INSOLVENZ
Die FDP hat ihre Quittung für ihren Eiertanz bekommen und Rösler schickt Lindner vor, da ihm der Mut fehlt zum Unvermögen
der Parteiführung zu stehen. Die FDP-Parteibasis sollte so langsam erkennen, dass sie nur noch von selbstverliebten Schaumschlägern beim Wahlvolk vorgeführt wird. Es wird Zeit, dass diese Nullen aus der Regierung gejagt werden. Das Republik braucht "NEUWAHLEN"!!!!!!!!!
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