29.09.2010, 14:07 Uhr | DDP
Bad Wildungen (dapd-hes). Der Nationalpark Kellerwald-Edersee erhofft sich von der geplanten Auszeichnung seines Buchenwaldes als UNESCO-Weltnaturerbe mehr Zulauf von Touristen. "Der Titel wäre für uns eine außerordentliche Ehre", sagte die Sprecherin des Parks, Nicole Backhaus, am Mittwoch auf dapd-Anfrage in Bad Wildungen. "Wir wissen vom Weltnaturerbe Wattenmeer, dass sich die Auszeichnung ganz stark auf die Besucherströme ausgewirkt hat", sagte sie. Das hoffe man auch für den Nationalpark.
Deutschland hatte im Januar die gemeinsame Aufnahme herausragender alter Buchenwälder in die prestigeträchtige Welterbeliste beantragt. Bei den ausgewählten Regionen handelt es sich um naturbelassene Tiefland- und Mittelgebirgsbuchenwälder mit einer Gesamtfläche von fast 4.400 Hektar. Die Kandidaten sind neben dem Nationalpark Kellerwald-Edersee Waldgebiete im Nationalpark Jasmund auf Rügen und im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern), im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg) sowie im Nationalpark Hainich (Thüringen). Die Anträge von Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen auf Aufnahme der Schutzgebiete in die Weltnaturerbe-Liste werden nach Angaben des Bundesumweltministeriums gegenwärtig von der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) geprüft.
Die Waldgebiete waren in den vergangenen vier Wochen bei Vor-Ort-Besuchen des US-amerikanischen Gutachters David Mihalic inspiziert worden. Der IUCN-Experte hatte in der Vergangenheit schon ein Gutachten über die noch älteren Karpaten-Buchenwälder der Ukraine und der Slowakei erstellt, die vor drei Jahren zum Weltnaturerbe erklärt worden waren.
Mihalic sagte, die letzten mitteleuropäischen Rotbuchenwälder gediehen auf unterschiedlichen Standorten und verfügten noch über mehr als 200 Jahre alte Buchen. Weltweit einmalig sei, dass sich dort nur eine einzige Baumart durchgesetzt habe und große Flächen dominiere. Ohne menschliche Steuerung könnten sich diese Areale wieder zu echten naturbelassenen Wäldern zurück entwickeln. "Ich werde bis zum Herbst einem Expertengremium eine Empfehlung vorlegen," sagte Mihalic. Ausschlaggebend für die Bewertung seien der Zustand und die Ausdehnung der Schutzgebiete und ihrer Pufferzonen, das Verwaltungsmanagement, konkrete Gefahren und die Unterstützung der Nominierung durch die ansässige Bevölkerung.
Die Entscheidung über die Anerkennung als Weltnaturerbe fällt voraussichtlich im Frühsommer 2011 auf einer Sitzung des Welterbekomitees in Bahrain. Insgesamt soll es weltweit zehn bis zwölf Kandidaten geben. Bei Erfolg wäre der Buchenwald-Verbund die dritte deutsche Weltnaturerbestätte nach der Grube Messel und dem 2009 in die UNESCO-Liste aufgenommenen Wattenmeer.
"Würden wir den Titel bekommen, würden wir auf derselben Stufe stehen wie der Grand Canyon oder das Great Barrier Reef", betonte Backhaus. Das bedeute einen enormen Image-Gewinn für die Region. "Wir sind schon jetzt sehr stolz auf die Nominierung", fügte sie hinzu. Auch der Naturschutzbund (NABU) in Hessen unterstützt den Antrag. "Alte Buchenwälder wie der Nationalpark Kellerwald-Edersee sind unsere heimische Wildnis", sagte NABU-Sprecher Berthold Langenhorst. In diesen Wäldern könnten Buchen bis zu 500 Jahre alt werden. Im Forstwald hingegen würden sie nach 20 bis 40 Jahren abgeholzt. Das in den Buchen-Urwäldern verwitternde Holz, sogenanntes Totholz, sei zudem Lebensraum von zahlreichen Insekten- und Käferarten.
Bereits vor drei Jahren hatte die UNESCO die Karparten-Buchenwälder in der Ukraine und der Slowakei zum Weltnaturerbe erklärt. Seitdem profitieren die Regionen laut dem ukrainischen Umweltministerium von einem spürbaren Gästezuwachs und einem internationalen Wissenschaftsinteresse.
dapd
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