14.12.2011, 08:49 Uhr | dapd
In Berlin-Tiergarten haben Verwandte, Schriftstellerkollegen und zahlreiche Leser Abschied von Christa Wolf genommen. Auf einer Gedenkveranstaltung in der Akademie der Künste am Dienstagabend erinnerten sie an das Werk der Verstorbenen.
Berlins Regierender Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) würdigte sie als "Mensch mit Eigensinn, Zuversicht und Engagement". Sie sei eine in der und für die Gesellschaft engagierte Literatin gewesen, sagte er. Sie habe versucht, Wahrhaftigkeit zu leben.
"Christa Wolfs literarisches Werk gehört zu den bedeutendsten im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Auch wenn sie über den geteilten Himmel schrieb: Für sie gab es nur eine Welt und eine Menschheit. Sie war eine gesamtdeutsche Schriftstellerin", sagte Wowereit er unter Anspielung auf ihren 1963 erschienenen Roman "Der geteilte Himmel". Berlin habe eine große Schriftstellerin verloren.
Der Theologe Friedrich Schorlemmer sagte: "Christa Wolf konnte Freundschaft aushalten, Widerspruch aushalten und Haltung behalten." In Anspielung auf die 1993 bekannt gewordene kurze Zusammenarbeit Wolfs mit der Staatssicherheit zwischen 1959 und 1962 betonte er, sie habe niemanden verraten - auch sich selbst nicht. "Die Hechelmeute schere sich davon!", sagte Schorlemmer. Er charakterisierte Wolf als Menschen mit "wachem Einspruch", der es zugleich vermocht habe, "warmherzigen Zuspruch" zu verteilen.
Schorlemmer hatte mit Wolf im November 1989, wenige Wochen nach der friedlichen Revolution, den Aufruf "Für unser Land" unterzeichnet, der zum Bleiben in der DDR und zur gemeinsamen Neugestaltung des Landes aufrief.
Die Schriftstellerin Daniela Dahn bezeichnete Wolf als moralische Leitfigur. "Ich weiß keinen Trost dafür, dass Christa Wolf nicht mehr lebt, außer dem, dass sie gelebt hat", sagte sie.
Der Schriftsteller Christoph Hein verwies auf Wolfs bleibendes Werk. Wolf habe einen neuen Ton in die deutsche Literatur gebracht. Er würdigte Wolfs Kollegialität und Menschlichkeit. Auch angesichts einer oft "überwältigenden Zuneigung" ihrer Leser sei sie stets ruhig und geerdet geblieben.
Wolf war am 1. Dezember im Alter von 82 Jahren gestorben. Sie wurde am Dienstagvormittag im Beisein ihrer Familie, weiterer Angehöriger und zahlreicher Weggefährten auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte beigesetzt. Hunderte Menschen erwiesen ihr die letzte Ehre. Die Totenrede hielt der Dramatiker Volker Braun.
dapd
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