09.01.2012, 08:40 Uhr | dapd
Hunderte Demonstranten haben am Wochenende in Berlin mit ungewöhnlichen Mitteln den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff verlangt. Nach Angaben der Veranstalter kamen zu der Aktion "Wulff den Schuh zeigen" vor dem Schloss Bellevue rund 400 Teilnehmer zusammen, die Polizei bestätigte diese Zahl. Als Ausdruck ihres Unmuts über die Amtsführung und jüngsten Affären des Staatsoberhaupts reckten die Demonstranten nach arabischer Sitte Dutzende Schuhe in die Höhe. Nach dem Schuhprotest kam es zu einer Rangelei zwischen Demonstranten und der Polizei, bei der ein Mann einen Beamten schlug und sich bei einem Sturz verletzte.
Die Demonstration am Samstagnachmittag war vom Verein "Creative Lobby of Future" angemeldet worden und geht zurück auf eine Facebook-Initiative. In dem sozialen Netzwerk hatten bis kurz vor der Versammlung rund 800 Wulff-Gegner ihre Unterstützung für die Aktion signalisiert. Als Zeichen ihres Protests gegen dessen jüngste Kredit- und Medienaffären hielten sie dem Amtssitz des Bundespräsidenten ihre Schuhe entgegen - eine Geste, die insbesondere im arabischen Raum als drastische Form des Zorns und der Verachtung gilt.
Die eigentliche Demonstration verlief zunächst störungsfrei. Zu einer Rangelei kam es erst, als rund 100 Teilnehmer nach dem Ende der Aktion auf die andere Straßenseite direkt vor den Zaun des Schlosses wechseln wollten. Die Polizei untersagte dies nach eigenen Angaben mit Verweis auf den dortigen Platzmangel. Als sie die Personalien eines 61-Jährigen feststellen wollte, schlug dieser laut Polizei einem Beamten mit der Faust ins Gesicht. Bei der anschließenden Rangelei zwischen den Demonstranten und den Einsatzkräften stürzte der 61-Jährige und verletzte sich leicht.
Der Mann stellte Anzeige gegen einen der Beamten wegen Körperverletzung im Amt. Die Polizei erließ ihrerseits Strafanzeigen unter anderem wegen Körperverletzung, Landfriedensbruchs, versuchter Gefangenenbefreiung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.
dapd
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