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Zahlreiche Beschäftigte gedenken in Schweigeminute der NSU-Opfer

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Zahlreiche Beschäftigte gedenken in Schweigeminute der NSU-Opfer

23.02.2012, 14:23 Uhr | dapd

Zahlreiche Menschen haben am Donnerstag in Baden-Württemberg ihre Arbeit im Gedenken an die Mordopfer der rechtsextremistischen NSU unterbrochen. Bereits um 11.00 Uhr standen deutschlandweit beim Autozulieferer ZF sowie in manchen Produktionsstätten des Automobilkonzerns Daimler aufgrund des Schichtwechsels die Bänder still.

Um 12.00 Uhr legten dann zahlreiche weitere Beschäftigte sowie Beamte der Landes- und Kommunalbehörden ihre Arbeit für eine Minute nieder. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Unternehmerverbände hatten zur Teilnahme an einer bundesweiten Schweigeminute aufgerufen.

Der Mordserie der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle NSU waren zwischen 2000 und 2007 mindestens neun ausländische Kleinunternehmer sowie eine Polizistin in Heilbronn zum Opfer gefallen.

Bei Daimler beteiligten sich deutschlandweit rund 160.000 Mitarbeiter, bei ZF 43.000 an der Schweigeminute. Porsche rief seine etwa 10.000 Mitarbeiter an den Standorten Zuffenhausen, Weissach und in Leipzig auf, die Arbeit niederzulegen.

Auch in den Kulturbetrieben unter anderem im Schauspiel Stuttgart wurde der Betrieb für das gemeinsame Gedenken unterbrochen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der die Schirmherrschaft für alle betrieblichen und gewerkschaftlichen Gedenkveranstaltungen übernommen hatte, erklärte: "Wir müssen gemeinsam ein Signal gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit sowie Antisemitismus und für Toleranz setzen." Dem rechtsextremen Terror dürfe in diesem Land keine Plattform geboten werden.

Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD), die an der zentralen Gedenkfeier in Berlin teilnahm, gab zu Bedenken, dass die rassistischen Morde das Vertrauen insbesondere türkischstämmiger Einwanderer in den deutschen Staat erschüttert hätten. Das zeigten die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Migrations- und Politikforschung der Hacettepe Universität Ankara.

Demnach glauben 55 Prozent der Befragten, dass die Rechtsterroristen vom deutschen Staat beschützt oder gar gefördert wurden. "Politik und Verwaltung müssen das verlorengegangene Vertrauen wieder zurückgewinnen", verlangte sie. Die Trauerfeier markiere den Anfang dieses Prozesses.

Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf betonte in Stuttgart, Arbeitgeber und Gewerkschaften träten gemeinsam ein für ein Deutschland, "in dem Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus keinen Platz haben". Dass dieser Terror so lange sein Unwesen treiben konnte, sei ein Skandal. Die Geschichte dieser Morde und ihrer Aufklärung sei auch die Geschichte des Versagens staatlicher Organe, insbesondere des Verfassungsschutzes.

In Pforzheim wollten am Abend zahlreiche Bürger unter dem Motto "Fackeln aus!" gegen einen geplanten Aufmarsch von Rechtsextremen demonstrieren. Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) hatte zu einer Kundgebung auf den Marktplatz gerufen, um "ein unmissverständliches Zeichen" gegen die Kundgebung der Rechtsextremisten und Neonazis zu setzen.

Der rechtsextreme Verein "Ein Herz für Deutschland" wollte - wie schon in den Jahren zuvor - mit einer "Fackelmahnwache" auf dem Pforzheimer Wartberg an die Opfer eines britischen Luftangriffs vom 23. Februar 1945 erinnern. Die Stadt Pforzheim war vor Gericht mit einem Verbot von Fackeln bei der Kundgebung gescheitert.


dapd  

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