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Zeitreise durch die Kunstgeschichte im Städel Museum

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Zeitreise durch die Kunstgeschichte im Städel Museum

27.10.2010, 20:48 Uhr | DDP

Frankfurt/Main (dapd-hes). Wer derzeit das Ausstellungshaus des Frankfurter Städel Museums besucht, begibt sich auf eine Zeitreise durch die Kunstgeschichte. Rund 300 Bilder aus 700 Jahren hängen dort auf engstem Raum in der chronologischen Reihenfolge ihrer Entstehung und illustrieren die Entwicklung der Kunst von spätmittelalterlichen Altarbildern bis zur abstrakt anmutenden Fotografie Wolfgang Tilmans. Die Ausstellung "Die Chronologie der Bilder - Städel-Werke vom 14. bis 21. Jahrhundert", die vom 28. Oktober bis zum 26. Juni 2011 zu sehen ist, hebt die sonst in übliche Präsentation von Bildern getrennt nach Gattungen und geografischen Schulen auf und ermöglicht einen neuen Blick auf bekannte Werke.

"Das Konzept, die Bilder chronologisch zu ordnen, ist im Grunde sehr simpel. Aber es verschafft mitunter überraschende Erkenntnisse", sagt Museumsdirektor Max Hollein. Diese Konstellation zeige nicht nur gegenseitige Einflüsse in der Malerei auf, sondern mache auch deutlich, dass in einer Epoche oft die unterschiedlichsten Stile parallel existierten. Kurator Felix Krämer, im Städel Museum zuständig für die Werke des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne, verweist auf zwei Gemälde aus den 20er Jahren, die Adam und Eva darstellen. "Der gleiche Entstehungszeitraum, das gleiche Thema und doch ist das Ergebnis völlig unterschiedlich", erläutert er. Während der Symbolist Franz von Stuck die Versuchung des Bösen betone, unterstreiche der Maler Otto Mueller den Einklang von Mensch und Natur.

Die Bilder hängen entlang eines Zeitstrahls, der Schlaglichter auf politische und gesellschaftliche Ereignisse ihrer Entstehungszeit werfe und die Zuordnung der Bilder in den historischen Zusammenhang ermögliche, erklärt Krämer die Präsentation. So wird die Erkundung der Kunstgeschichte von Rembrandt bis Gerhard Richter auch zu einem Spaziergang durch die Entwicklungsgeschichte der modernen Gesellschaft. "Das ist wie ein Filmstreifen, an dem man entlang geht", sagt Krämer begeistert. Der Kurator bezeichnet das ungewöhnliche Konzept als ein Experiment. "Ich glaube, so etwas ist noch nicht gemacht worden."

Entstanden ist die Idee zu der Ausstellung aus einer eher schwierigen Situation. "Sie können es auch Not nennen", scherzt Museumsdirektor Hollein. Derzeit finden im Städel Museum umfangreiche Bauarbeiten statt, weshalb die eigentlichen Galerieräume geschlossen sind. "Das hat uns die Chance eröffnet, unsere Sammlung unter einem neuen Gesichtspunkt zu zeigen", sagte der Direktor.

Nicht weniger experimentell als das Konzept ist auch die Aufforderung an den Betrachter, selbst Bezüge zwischen den Bildern herzustellen und Zusammenhänge zu entdecken. Jochen Sander, Kurator für die Gemälde aus der Zeit vor 1800, weist darauf hin, dass die Besucher anders als sonst bei thematischen Ausstellungen nicht angeleitet werden. "Die Bilder sind nicht erläutert, die Bezüge nicht erklärt. Der Betrachter ist gefordert, selbst aktiv zu sein und genau hinzuschauen", sagt er.

Diesen ungewöhnlichen Blick gewährt das Städel Museum seinen Besuchern in den kommenden acht Monaten. Dann werden schrittweise die sanierten Galerieräume wieder zugänglich gemacht. Den Abschluss der jahrelangen Bauarbeiten bildet im Herbst 2011 die Neueröffnung des umgebauten und erweiterten Museums.

dapd


DDP  

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